Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1909)
- Article
- Der Antisemitismus an den deutschen Hochschulen
- Date
- 1909-06-01
- Page
- 343 (sequence 4)
- Language
- German
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Der Antisemitismus an den deutschen Hochschulen. 343 Andere damals geschaffene Verbindungen begnügten sich damit, eine neue Statte zu gründen, wo Juden und Christen gemeinsam studentisch-geselliges Leben genießen konnten. Wenngleich sie niemals den Kampf gegen den Antisemitismus auf ihre Fahne geschrieben haben, so wirft doch ihre Geschichte ein interessantes Schlaglicht auf die ganzen Verhältnisse, so daß sie in diesem Zusammenhang erwähnt werden müssen. Ihren Zweck, wirklich paritätische Verbindungen zu bilden, haben sie nicht erreicht, denn bald gewannen sie nur noch ausnahmsweise christliche Mitglieder oder wurden selbst, der allgemeinen Zeitrichtung folgend, — antisemitisch. Der Widerspruch zwischen der proklamierten Parität und der tatsächlichen Zusammensetzung der fast nur aus Juden bestehenden Korporationen hatte zudem noch bei ihnen wie auch bei den vorgenannten Vereinen zeitweise ein unwürdiges Werben um christliche Mitglieder und eine Förderung der Taufe oder wenigstens des Austritts aus dem Judentum zur Folge. Die 1886 in Breslau entstandene „Viadrina" ist die erste Verbindung, welche ausdrücklich den Kampf gegen den Antisemitismus zu ihrer Aufgabe gemacht hat, zugleich die erste deutsche studentische Korporation, die nur Juden aufnahm. Ihre Gründung entsprang aber nicht engherzigen konfessionellen Bestrebungen: die allgemeine Ausschließung zwang die jüdischen Studenten, sich zu jüdis ch en Ko rp o ra tion en zu s am m enz u s chließe n. Der Unterschied zwischen der Konfessionalität der katholischen und der Exklusivität der jüdischen Korporationen wurde daher in der Studentenschaft auch allgemein anerkannt. Die Exklusivität erweiterte und vertiefte jedoch die Aufgabe der Verbindungen, die Selbstverteidigung steigerte die Intensität und den moralischen Eindruck der Bewegung. Handelte es sich doch für die jüdischen Studenten nicht nur um einen Kampf für politische, kulturelle und rechtliche Grundsätze, für sie war es auch ein Kampf für ihre Selbsterhctltung und für ihre Ehre. Denn mit dem Ausschluß der jüdischen Studenten aus den Korporationen verneinte man ihre Gleichwertigkeit, verweigerte man ihnen die Anerkennung als