Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Judentum und Literatur
- Date
- 1909-05-01
- Page
- 328 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2316602-2316779-2316784-2341575--19105-2341687- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
328 Im deutschen Reich. worden, daß sich da neben Vorzügen arge Schattenseiten offenbaren. Auf diesem Gebiete machen sich gerade -auf jüdischer Seite allerdings Sensationslust, geräuschvolle Modereklame vielfach geltend und daneben ein unangenehmer Ton der Gehässigkeit gegen eben nicht in eine Moderichtung passende Persönlichkeiten. So mag Bartels in dem Sinne nicht ganz unrecht haben, daß durch diese allzu geschäftige, ihre Ansichten dem Publikum zudringlich aufnötigende jüdische Kritik tit unserm Geistesleben manche bedenkliche Schiefheiten und Schädlichkeiten entstanden sind, aber trotz der starken Betonung der Kritik von jüdischer Seite, namentlich in Berlin, hat eben doch nicht die Kritik die moderne Literatur geschaffen, und was die schaffenden Künstler angeht, mögen diese vielleicht auch zu laut, wie z. B. Hauptmann, von jüdischen Freunden angepriesen worden sein, s o w a r e n es doch überwiegend Christen, und manchen unter unfern jüdischen produktiven Schriftstellern, wie z. B. den Wiener Schnitzler, möchten wir wahrlich nicht entbehren. Allein noch etwas ganz anderes, Entscheidenderes ist gegen den Standpunkt von Bartels einzuwenden, das ist die außerordentliche Bedeutung des jüdischen Publikums für die deutsche Literatur christlicher Herkunft so gut wie jüdischer. Es wäre eine große Täuschung, wenn man glauben wollte, das rege literarische Leben Berlins sei eine allgemeine, durch die ganze Gesellschaft gehende Erscheinung. Es gibt dort eine ganze Menge hochstehender, hochbetitelter Persönlichkeiten, denen Theaterpremieren oder ein Aufsehen erregender neuer Roman höchst gleichgültig sind -und die davon trotz alles Zeitungslärms kaum Kunde bekommen. In den Provinzstädten macht sich diese Erscheinung noch viel deutlicher geltend. Wenn nun trotzdem sich seit einer Reihe von Jahren überall das.Interesse für das ernste Schauspiel erheblich gesteigert hat, wenn das früher dem Deutschen ganz fremd gewesene Kaufen belletristischer Werke inrmer mehr zugenommen hat und die Werke beliebter Autoren zahlreiche Auflagen erleben, so ist das unbestreitbar nach Beobachtung jedes im literarischen Leben stehenden Menschen zunächst dem regen Interesse der jüdischen Kreise zu danken, die auch bei allen Gelegenheiten, wie Borträgen literarischer Art, das Hauptkontingent stellen, und die intelligente j ü d i s ch e I u g end i st e s gewesen, die i nr L a n f e