Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-05-01
- Page
- 296 (sequence 9)
- Language
- German
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296 Im deutschen Reich. Aerzte Abstand zu nehmen, weil viele Durchstechereien bei der Rekrutenaushebung vorgekommen seien. Der Central-Verein erlangte von dem Kriegsminister v. Einem darauf die bündige Erklärung, daß in seinem „Geschäftsbereiche" Aehnliches nie vorgekommen sei; flugs interpretierte die Antisemitenpresse die zweifellos aus das ganze Ressort des preußischen Kriegsministeriums bezügliche Erklärung dahin, die Durchstechereien würdet: vor dem Amtsantritt des Ministers erfolgt sein. Diese Finte blieb unbeachtet, weil die noch lebenden wenigen früheren jüdischen Militärärzte es bisher unter ihrer Würde hielten, Strafantrag gegen den Dr. Nitschke zu stellen, und weil ihre Vorgesetzte Behörde nicht aus eigenem Antriebe Anstalt machte, die schmähliche Beschimpfung makelloser Sanitätsoffiziere zu sühnen. Ein Borg äng er Sr. Exzellenz v. Einem hat einst wegen einer weit geringeren Verleumdung, die der „R e i ch s h e r o l d" gegen einige jüdische Einjährig-Freiwillige Strafantrag g e st e l l t u n d e i n e B e st r a f u n g erzielt; eine Genugtuung, die der. jetzige Kriegsminister den bejahrten früheren jüdischen aktiven Sanitätsoffizieren bereiten würde, wäre der beste Beweis dafür, daß niemand seine Erklärungen in dem Sinne von Shakespeares „Troilus und Cressida" auffassen darf: .JVords, more words; no matter of the heart; the effect goes another way" —- „Nur Wort und Worte, aus dem Herzen nichts; die Wirklichkeit verfolgt ganz anderen Weg!" — Für uns ist diese Sache noch immer nicht erledigt! In Oesterreich hatte man in den letzten Jahren denselben Mangel an Militärärzten zu beklagen, wie den, der von dem Abg. Kopsch infolge einer Mitteilung der „Deutschen Militärischen Wochenschrift" kürzlich im Deutschen Reichstage zur Sprache gebracht wurde. Dort ist aber im Februar d. Js. der Chef des militärärztlichen Korps, den man fast allseitig als den Urheber dieser Uebelstände betrachtete, von der Bildfläche verschwunden. Der Generaloberstabsarzt Dr. Ritter v. Urie l wurde unter Verleihung der Geheimratswürde in den Ruhestand versetzt, Generalstabsarzt Prof. Kratschmer zu seinem Nachfolger ernannt. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg! Die Monatsschrift der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" veröffentlicht einen „Das System U r i e i" über-