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Im deutschen Reich · 1909-05-01 · Heft 5 (Mai 1909) · p. 294

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 5 (Mai 1909)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1909-05-01
Page
294 (sequence 7)
Language
German
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294 Im deutschen Reich. tung gefunden werden tonnte, wie dies zu verhindern sei. Die Worte lauteten nämlich: „Ich bin der Meinung, daß es in der Armee vorkommt, daß ein junger Mann einfach deshalb nicht Reserveoffizier wird, weil er Jude ist. Aber wenn diese Religion auch als Grund angegeben i st, so ist das gegen die Allerhöchsten Bestimmungen." Die nichts weniger als judenfreundliche „Germania" schrieb deshalb sofort: „Man kann jeden Juden ausschließen mit der Begründung, daß er zum Offizier nicht geeignet sei", die „Kreuz- Zeitung": „Es handelt sich nur um die Wiederholung des bisher schon geltenden Grundsatzes, nach dem ein junger Mann, der seiner ganzen Persönlichkeit nach geeignet ist, Vorgesetzter und Mitglied eines Offizierskorps zu sein, Offizier werden kann, obgleich er Jude ist." Noch deutlicher forderte die agrarische „Deutsche Tageszeitung" das Offizierskorps auf, die Erfüllung der Zusagen des Kriegsministers zu vernichten, indem sie bezüglich der Prüfung jüdischer Offiziersaspiranten empfahl: „Die Prüfung darf sich nicht nur aus die militärischen Fähigkeiten und Eigenschaften beziehen, sondern ganz besonders darauf, ob der Anwärter das Zeug und den Takt hat, Vorgesetzter christlich-deutscher Soldaten, zu sein." Gegen die antisemitischen Taktlosigkeiten, die in Zirkusversammlungen des „Bundes der Landwirte" vorgekommen sind, hat die „Deutsche Tageszeitung" noch niemals Front gemacht: es war deshalb wohl nur als „Antisemiten scherz" aufzusassen, wenn das Blatt an die Aufforderung, „die israelitischen Mitbürger überhaupt vom Heeresdienste zu befreien", die Versicherung^ knüpfte: „Wir füh len uns völlig frei vom I u d e n h a s s e und verurteilen alle Gehässigkeiten gegen unsere jüdischen Mit b ü r g e r durchaus und mit voller Schärfe." — W i r aber wenden uns mit noch größerer Schärfe gegen den Schimpf, den uns die „Deutsche Tageszeitung" durch die Aufforderung zur Befreiung der deutschen Juden vom Heeresdienste antra, gegen den Schimpf, den wiederholt im Lause der Zeit die schlimmsten Judenfeinde zu unternehmen wagten und den schon Gabriel Rießer entrüstet zurückwies. Angesichts der Behandlung seiner Erklärungen im Parlament hätte Herr v. Einem allen Grund, seine Autorität als Kriegs minister durch eine Tat zu beweisen, zu der ihm die Inter-

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