Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-05-01
- Page
- 292 (sequence 5)
- Language
- German
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292 Im deutschen Reich. modern, aber sie ist nicht modern in dem Geist, der sie beherrscht/" Daß alljährlich bei der Beratung des Militäretats im Reichstage die - ArrrirLksetzrrng 6er Juden irrt £}eeve zur Sprache gebracht wird und trotz des kaiserlichen Erlasses und der verfassungsmäßigen Zusicherungen des Kriegsministeriums sich an den verfassungswidrigen Zuständen nicht das geringste ändert, ist tief zu beklagen, nicht nur vom Standpunkte der deutschen Inden aus, sondern von dem jedes deutschen Staatsbürgers, der sein Vaterland auf der Höhe eines Kultur- und Rechtsstaates wissen und auch im Heere nicht mehr den Geist der Zopfzeit spuken sehen möchte, der einst die beschämenden Erfolge zerlumpter, 'französischer Nationalgardisten ermöglicht hat, der aber mit den großartigen Fortschritten der Neuzeit im grellsten Widerspruch steht. Bei der diesmaligen Etatsberatung hat der Kxiegsmintfiex v. Einern infolge der bezüglichen, eingehend begründeten Beschwerden des Abg. K o p s ch, dem noch die Abgeordneten Storz, Schräder, Gothein und Müller-Meiningen sekundierten, Erklärungen abgegeben, die weit entgegenkommender lauteten als die regierungsseitig bei ähnlichen Interpellationen in den Jahren 1906—1908 abgegebenen. In dieser Beziehung ist ein Fortschritt nicht zu verkennen, aber der Minister hat doch dabei versucht, die Glaubwürdigkeit einzelner Angaben in den Beschwerden einzuschrünken, ohne daß ihm dafür irgendwelche anderen Bürgschaften Vorlagen als die Berichte der Stellen, gegen die sich die Beschwerde richtete: er hat nur der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß die von ihm selbst mißbilligten Verhältnisse sich mit der Zeit ändern werden und wörtlich gesagt: „Die Armee hat, glaube ich, bis in die 80 er Jahre tatsächlich jüdische Reserveoffiziere gehabt. D i e A r mee hat zweife l l o s k e i n e n Schade n davon gehabt, und ich muß offen sagen — vielleicht w erde i ch d e s h a l b k o l o s s a l a n g e g riss e n: ich halte es e in f a ch fit r einen Akt der Gerechtigkeit, daß man einen jungen Mann, auch wenn er Jude ist, wenn er sonst tüchtig ist und Ort übrigen geeignet, a u ch zum Re-