Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-05-01
- Page
- 291 (sequence 4)
- Language
- German
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Umschau. 291 als eine logische Folge der Anerkennung der Menschenrechte. Ueber den streitenden Mächten scheint vielmehr der Schatten des Vaters des Antisemitismus zu schweben; denn bei den Agrariern ertönen noch die Schlagworte Liebermanns, obgleich sich dieser.selbst jetzt mehr den Christlich-Sozialen zuneigt und bei diesen die Doktrinen Adolf Wagners geltend gemacht werden, der sich nach dem Tode Aöolf Stöckers öffentlich rühmte, dessen Freund gewesen zu sein. Noch bedeutungsvoller als dieses Bekenntnis dürfte die Mitteilung des Lieentiaten Mumm sein, Fürst Bülow habe in seiner Beileidskundgebung bei dem Ableben Stöckers gesagt: „Ich bin überzeugt, daß eine spätere Zeit seinen großen Gaben wie seinem tapferen Sinn volle Gerechtigkeit widerfahren lassen wird." Wenn in späteren Jahren die Humanität den Religionshaß verdrängt haben wird, dürfte sich jedoch die Prophezeiung des Reichskanzlers, kaum erfüllen, der übrigens dabei seltsam mit der „Zukunft" übereinstimmt, in der M aximilian Harden auch den Mut des am Hofe verfemten Mannes pries, den man mit Unrecht bezichtigt habe, nur beständig Judenhetze zu treiben. In diesem Nachruf Stöckers wird auch an das Kaiserwort erinnert: „Die Herren Pastoren sollen sich um die Seelen ihrer Gemeinde kümmern, die Nächstenliebe pflegen, aber die Politik aus dem Spiele lassen, dieweil sie das nichts angeht." Harden setzt ironisch hinzu: „Das sollte Fritzisch klingen, klang aber nicht ganz so!" Andere Leute wird dieser Klang aber sympathisch berührt haben, und diese werden es auch verstehen, warum das Kaiserpaar sich jeder Beileidskundgebung nach dem Hinscheiden des ehemaligen Hofpredigers enthalten hat, eine Tatsache, auf die das Organ Stöckers „Volk" aufmerksam machen zu müssen glaubte. „Fritzisch", d. h. doch wohl nicht nur in dem Sinne, „daß jeder in Preußen nach seiner Fasson selig werden dürfe", sondern auch, daß in einem Zeitalter der Aufklärung und unter der Kommandogewalt eines obersten Kriegsherrn, der allgemein als ein moderner Mensch gilt, nicht mit einem Schimmer von Berechtigung im Deutschen Reichstage gesagt werden durfte: „Unsere Armee ist in allen technischen Fragen