Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1909-05-01
- Page
- 289 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316779-2316784--18996-2341648- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
llmfcljiui. 28 9 zwar nicht auf Kosten der Landwirtschaft begünstigt, aber auch nicht zu deren Gunsten schwer beeinträchtigt werden. Weder den kleinen Grundbesitzern noch den Konsumenten haben die den Bund der Landwirte beherrschenden, eingefleischten Agrarier durch Ausschaltung der jüdischen Zwischenhändler genützt, aber viele Juden gezwungen, die Dörfer zu räumen und in den Städten neue Erwerbszw'eige zu suchen. Bei diesem Treiben sind die Agrarier deshalb völlig unbehindert geblieben, weil der wirtschaftliche Grundsatz, den Zwischenhandel überhaupt und nicht nur in bezug aus landwirtschaftliche Erzeugnisse möglichst auszuschalten, auch außerhalb der agrarischen Machtsphäre leidenschaftliche Anhänger gefunden hat. Dafür, daß die Juden dabei zu dem Schaden auch noch den Spott zu tragen hatten, haben die agrarischen Bewunderer und Nachahmer der antisemitischen Späße Liebermanns v. Sonnenberg reichlich gesorgt: dafür wurde auch bei ihrer letzten Heerschau im Zirkus Busch, der ja auch sonst Schauplatz derber Clown-Aeußerungen ist, Sorge getragen. Die Juden bilden nur den hundertsten Teil der deutschen Bevölkerung, weshalb das, was sie jetzt unter dem Borurteil der antisemitischen Agrarier leiden, kaum wesentlich in Betracht kommt gegen die Nachteile, die der Terrorismus der Großgrundbesitzer der deutschen Gesamtheit durch eine rücksichtslose Interessenvertretung zufügt. Trotz der unermeßlichen Vorteile, die ihnen durch die von der konservativen Parlamentsmehrheit beschlossenen Liebesgaben und durch die zumeist die breiten Schichten der Bevölkerung belastende Vermehrung der indirekten Steuern verschafft worden sind, bekunden die Agrarier die größte Abneigung gegen die Zumutung, die Staatskassen wieder füllen zu helfen. Ihre Undankbarkeit geht soweit, von den Konservativen §u verlangen, sich selbst einer nach Möglichkeit abgemilderten Nachlaßsteuer oder Erbanfallsteuer zu widersetzen und damit das Zustandekommen der dringlichen ßinan^xefexm ernstlich zu gefährden. Seit Woche:: erhob das Organ des Bundes der Landwirte, die „Deutsche Tageszeitung", gegen die von der Regierung vorgeschlagene Nachlaßsteuer den schärfsten Widerspruch in einem Tone, der selbst der „Kreuz-