Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Auch eine Abwehraufgabe
- Date
- 1909-05-01
- Page
- 284 (sequence 3)
- Language
- German
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284 Im deutschen Reich. dann redete ein Christ in einem sehr judenfreundlichen Sinne, und Herr Spiewkowski faßte die Ergebnisse der Debatte zusammen. Das Resultat war ein von dem Veranstalter der Versammlung gewiß nicht beabsichtigtes. Ueberall trat die starke Erregung über die Irreführung hervor: aber allgemein und in hinreißender Warme entfachte sich auch die Liebe zum Judentum. Man konnte geradezu von einem „Kiddusch Haschemst sprechen, der um so ergreifender war, als die Stimmung sich nicht vorbereitet hatte, nicht erwartet wurde, sondern einzig und allein aus den gegenwärtigen Eindrücken sich entwickelte. Man hatte Juden für das Christentum gewinnen wollen; ich glaube, der Abend mit feinen mächtigen Ausbrüchen tiefinnerlicher Anhänglichkeit wäre eher imstande gewesen, manchen Christen dem Judentum zu gewinnen: denn keine einzige Stimme erhob sich zur Verteidigung des Referenten, obgleich dieser manches der jüdischen Gemeinschaft Schmeichelhafte gesagt hatte, und er selbst fand kein, auch nicht ein einziges Wort der Erwiderung. Bileam kam, um zu fluchen, und mußte schweigend segnen. Wir können mit dem 'Ausgange dieses Missionsversuches zufrieden sein; aber wie oft ist der Ausgang ein anderer, wie oft gelingt es, jede Erörterung der vorgebrachten An schaumigen zu unterbinden, welche um so gefährlicher sind, als sie, eine eaptorio benevolentiae, die Seele mit dem Preise der Bedeutung und vieler Tugenden des Juden zu fangen suchen; wie oft werden durch harmlose Einladungen die rede gewandten Hüter und Wächter des Judentums fern gehalten und das Publikum über das, was seiner harret, getäuscht! Was wollt ihr christlichen Missionare denn eigentlich von uns? Kein Jude verlangt, aus eurem Munde über die Wahrheit eures Glaubens belehrt zu werden; denn wer fich tauft, tut es doch meistens nicht aus Ueberzeugung, sondern aus materiellen Gründen, um im Berufe besser fortzukommen oder sich in der Gesellschaft einen Platz zu erringen. Waran drängt ihr euch uns gegen unseren Willen auf? Im Mitte! alter haben eure Vorfahren versucht, durch rohe Gewal? taten unsere Väter in ihr Lager hineinzuzwingen; heute, wo der humane Geist das wenigstens in Deutschland nicht za läßt -- in einem Kaltnrstaate wie - Sesterreich darf m(\ :