Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Auch eine Abwehraufgabe
- Date
- 1909-05-01
- Page
- 285 (sequence 4)
- Language
- German
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Auch eilte Abwehraufgabe 285 ja noch immer jüdische Kinder ihren Eltern entreißen und ins Kloster sperren, um sie als Christen zu erziehen —, da sucht ihr entweder durch grobe Hetzreden oder schweigenden Boykott uns das Judentum zu verleiden und so gegen unsere heilige Ueberzeugung uns ins Christentum hineinzntreiben oder uns durch die lockenden Stimmen sophistischer Beweise oder die Sirenenklünge einer angeblichen Liebe zu uns einzufangen, und da wir freiwillig eure Worte nicht hören wollen, mit List, unter Vorspiegelung unrichtiger Tatsachen, in den Kreis eurer 11 eberredungskunst uns hineinzulocken. Vor nichts schreckt die Kühnheit dieser eurer List zurück; selbst unser heiligstes Fest, den Versöhnungstag, benutzt ihr für eure Zwecke! Da veranstaltet ihr Gottesdienste unter dem Scheine, als wären sie jüdische, und überrascht die nichts ahnenden Beter, die gekommen sind, im jüdischen Geiste sich zu Gott zu erheben, mit euren unerbetenen Gaben. Ja, sogar die Not verkommener und verzweifelter Individuen beutet ihr aus, um sie zu Christen zu machen. Ist das recht gehandelt? Hat Jesus das gemeint, als er rief: Lasset die Kindlein zu mir kommen? Lehrt euer Glaube ein solches Verfahren, das aller Wahrheit und Ehrlichkeit ins Gesicht schlügt? Oder soll der Zweck alle Mittel heiligen? Heraus aus eieren Schlupfwinkeln! Redet immer und überall offen, was ihr wollt, und lasset die Juden auf Grund der eurem Zwecke eigenen Anziehungskraft zu euch kommen! Verhüllet nicht die Tendenz eurer Veranstaltungen hinter unschuldige Titel, um euch bis zu unseren Gotteshäusern vorzuwagen. Verschließet euren Gegnern nicht den Mund, gebet Redefreiheit, daß sie furchtlos sagen, was sie zu saget: haben. Kreuzet mit ihnen ehrlich die Klinge; das allein ist eine würdige Propagandaarbeit! Ihr aber, denen die Wahrheit und Heiligkeit des Judentums am Herzen liegt, möget ihr dasselbe als religiöse oder als kulturelle oder als nationale Idee auffassen, richtet euer wachsames Auge auch auf diesen Punkt der Schlachtlinie. Wo immer er heraustritt, erspähet ihn; ergreifet ihn, ziehet ihn ans helle Tageslicht, bekämpft ihn mit allen Mitteln der Lauterkeit und Gerechtigkeit! *