Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1909-05-01 · Heft 5 (Mai 1909) · p. 276

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 5 (Mai 1909)
Article
Nervosität und Antisemitismus
Date
1909-05-01
Page
276 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316779-2316784-2341534--18978-2341635
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

276 Im deutschen Reich. nid)t mix geeigneter zu intellektueller Leistung, sondern damit auch leichter vulnerabel und leichter aufbrauchbar geworden ist. Entschieden haben wir in den beiden bis jetzt besprochenen inneren Ursachen der Nervosität für die Juden zwei Faktoren, welche bei ihnen eine größere Rolle spielen als bei anderen Bevölkerungsschichten unseres Vaterlandes. Vielleicht gibt die Tatsache, daß der Jude im allgemeinen dem Alkoholismus nicht so ergeben ist, wie der Germane, ein ausgleichendes Moment. Die anderen endogenen Ursachen der Nervosität kommen für den Juden gerade so in Betracht, wie für jeden anderen Deutschen. Ich will deshalb nicht genauer darauf eingehen. Was nun die ä it ßerene x o g e n e n U r s a ch e n betrifft, so können sie alle auch bei dem Juden genau so ihre schädliche Wirkung entfalten, wie bei unseren anderen Volksgenossen. Allein der Alkohol ist, inie ich schon angedeutet habe, ausgenommen. Ob die Syphilis bei den Juden eine .wichtigere Rolle spielt als bei anderen, ist nach meiner Kenntnis der Sachlage-noch nicht entschieden. Dagegen kann nicht bestritten werden, daß in bestimmten Landesteilen der Jude es immer uoch schwerer hat, als andere Staatsbürger: das trifft besonders in seinem Kampf nur die Gesundheit zu. Selbstverständlich steht mir ein Urteil darüber nicht zu, inwieweit politisch dieser Antagonismus zwischen Juden und andere): Gliedern unserer Nation auszugleichen ist oder ausgeglichen werden kann, wenn ich diesen Ausgleich auch von Herzen wünschen möchte: ich bin Arzt und habe als Arzt das Interesse meiner Patienten wahrzunehmen, soweit ihre Nervosität in Betracht kommt. Gerade in meiner Praxis sind mir nach dieser Richtung Erfahrungen entgegengetreten, die mich auf die Gefahren für die Gesundung meiner Patienten in eindringlicher Weise hinwiesen. Um diesem' Uebelstande nach Kräften entgegenzutreten, berühre ich seit Jahren in meinen Vorlesungen diesen Gegenstand und habe auch in in einem Buche über Nervosität und in meinem. Referat in Wiesbaden darauf hingewies-en. Es ist ein gemeinschaftlicher Zug der Menschen, daß, wenn sich eine Reihe ungefähr Gleichgearteter zusammenfindet, eine Neigung cutfhirf, gegen Andersgeartete Stellung zu nehmen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.