Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1909)
- Article
- Nervosität und Antisemitismus
- Date
- 1909-05-01
- Page
- 275 (sequence 3)
- Language
- German
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275 Nervosität und Antisemitismus wir auch immer noch Ehen treffen werden, wo nicht nur gewisse verwandtschaftliche Beziehungen zwischen den Ehegatten bestehen, sondern auch von beiden Seiten eine kongruente Reihe von belastenden Momenten. Das ist aber jene gefährliche Aseendenz, welche auch bei jedem anderen Bolksstamme eine geringere Widerstandsfähigkeit für die Deszendenz, namentlich in 'nervöser Beziehung, nrit sich bringen kann. Der zweite Punkt, der gewöhnlich angeführt wird, kann unter dem Begriffe des A u f b r a n ch s im Sinne von Edinger kurz präzisiert werden. Jahrhunderte-, ja ment kann fast sagen jahrtausendelang, war der Jude ein landflüchtiger Mann, der, wenn er sich jemals niederlassen durfte, nie seines Lebens und seines Vermögens sicher war und im günstigen Fall in den engen licht- und luftleeren Mauern des düstern Ghettos mit seinen Stanrmesgenossen zusammengepfercht war, ohne die Erlaubnis, ein sogenanntes ehrliches Gewerbe zu ergreifen. Mit einem guten Gehirn, sicher _tm Durchschnitt, von Haus aus begabt, war es dem Juden von damals nicht möglich, ohne starke Inanspruchnahme seiner geistigen Kräfte seinen Lebensunterhalt zu erwerben. Ueberall standen seinem Borwärtskommen Schwierigkeiten im Wege, überall mußte er nach Ucberwindung von tausend Hindernissen sich durchringen, nur mit Hilfe seiner guten Intelligenz, die in unausgesetzter Tätigkeit sich befand, konnte er sich seine Existenz schaffen. Wir sprechen heute ganz allgemein davon, daß unter den äußeren - exogenen » Ursachen der Nervosität der schwere Konkurrenzkampf der Gegenwart eine große Rolle spielt. Das ist sicher richtig. Der Konkurrenzkampf ist aber mit wenigen Ausnahmen in der Art und Weise, wie er sich heute abspielt, eine Errungenschaft des gegenwärtigen Kulturzustandes. Früher kannte man ein so allgemeines Hasten, Ringen und Jagen nicht. N u r f ü r den I u d e u h a t ein s o l ch e r .K a m p f v o u j e h e r u h b nute r s e h r e r s ch w e r e n d e n Bedingunge n b est n n den. Es liegt deshalb der Gedanke nahe, daß das Gehirn, das Zentralnervensystem des Juden im Laufe der Jahrhunderte