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Im deutschen Reich · 1909-05-01 · Heft 5 (Mai 1909) · p. 274

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 5 (Mai 1909)
Article
Nervosität und Antisemitismus
Date
1909-05-01
Page
274 (sequence 2)
Language
German
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274 Im deutschen Reich. Vorkommen uns verhältnismäßig genau bekannt ist, heraus, so werden die Schwierigkeiten noch viel größer, wenn wir die Zahl der Nervösen bei Juden .und Nichtjuden feststellen wollen. Wir kennen die Zahl der Nervösen überhaupt nicht genau: sie wird sich schwerlich jemals auch nur annähernd ermitteln lassen, weil die Grenzen dieser Krankheit fließende sind und die Erscheinungen der Nervosität den einzelne!: nicht so in der Wahrnehmung seiner Angelegenheiten hindern wie den Geisteskranken. Wir können also nicht aus einem sicherer: Zahlenmaterial den Schluß ziehen, daß ein Mitglied der jüdischen Rasse mehr Wahrscheinlichkeit hat, geisteskrank oder nervös zu werden als ein Nichtjude, obschon unsere praktische allgemeine Erfahrung uns den Eindruck macht, als ob es so wäre. Bei unseren bisherigen Betrachtungen kommt es aber daraus nicht an. Es handelt sich vielmehr hauptsächlich darum, o b e s U r s a ch e n d e r N e r v o s i L ü t g i b L, w e l ch e besonders bei I u d e n eine R o l l e spiele n u r: d z u n: T e i l v e r m e i d b a r s i n d? Unter den inneren (endogenen) Ursachen füru die Nervosität der Juden treten uns besonders zwei Momente entgegen, die wir auch bei den meisten Autoren angegeben finden. Das eine ist eine gewisse Neigung z u r I n z u ch t. Das gesamte jüdische Volk befindet sich ja in der Diaspora und ist gezwungen, wenn es den: Glauben seiner Väter getreu sich verheiraten will, lvenn nur wenige seiner Abstammung und seines Glaubens sich finden, auch vor einer Verwandtenehe nicht zurückzuschrecken. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, daß verwandte Keime bei der Zeugung Zusammentreffen, größer als bei anderen europäischen Völkerstämmen, die sich lange nicht so rein erhalten haben. Der Grund dafür liegt nicht allein in den strengen religiösen Vorschriften, sondern vor allem auch darin, daß die Juden bis vor nicht zu langer Zeit, weil sich die übrige Bevölkerung streng von ihnen abwandte, auf sich allein angewiesen waren; heute, wo das Gatter des Judenviertels endlich gefallen ist, wo eine unbeschränkte Bewegungsfreiheit besteht, läßt sich, ohne daß religiöse Vorschriften verletzt werden, diese Gefahr vern:eiden, ja ich glaube sogar, daß wir hier entschieden regenerative Vorgänge zu sehen bekommen werden, wenn

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