Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 258 (sequence 36)
- Language
- German
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258 Im deutschen Reich. einzuwenden ist, wegen eines Irrtums die Zumutung macht, sein Amt als Vorstandsmitglied niederzulegen, daß für ein Verhalten, das jedenfalls aus den edelsten Motiven hervorgegangen ist, hier eine derartige Strafe angedroht wird, wie sie schimpflicher nicht gedacht werden kann. (Sehr richtig!) Die ganze Art, in der diese Angelegenheit in die Oeffentlichkeit gebracht ist, verdient endlich einmal schärfere Zurückweisung als sie bisher erfahren hat. Es hat sich in neuester Zeit, besonders unterstützt durch eine jüdische Zeitung, die Gewohnheit herausgebildet, innerhalb des Judentums Fraktionen und Fraktiönchen zu bilden. Es ist bisher nicht üblich gewesen, daß man in großen Volksversammlungen und mit großen Plakaten ankündigen läßt, daß die Juden untereinander uneinig sind, daß man in der Oeffentlichkeit einen,Proteststurm vollführt. Herr Edmund Lichten st ein: Ich hatte die Empfindung, als ob die heutige Versammlung und die ganze Agitation nicht ausgehen dürfe, wie das Hornberger Schießeü. Dieser Meinung ist ja hier auch schon Ausdruck gegeben. Nun hat sich aber Herr Dr. Lövinson bemüßigt gesehen, hier hervorzutreten und so zu sprechen, wie es in diesem Moment meiner Ueberzeugung nach das falscheste war, was er tun konnte. (Sehr richtig! und Widerspruch.) Es handelt sich nicht um die Person des Herrn vr. Lövinson. Wir alle wissen ganz genau, daß er Hervorragendes geleistet hat. Wir wissen aber ebenso, daß er einen Fehler gemacht hat. (Sehr richtig!) Der Antrag Schemel, der meine Unterschrift nicht trägt, geht mir zu weit. Herrn Dr. Lövinson ohne weiteres an die kühle Luft zu setzen, dazu liegt gar keine Veranlassung vor, wenn man die Dinge bei Licht besieht. Man hat vor dieser Frage noch nicht gestanden in der Weise, wie Herr Dr. Lövinson. Deshalb ist er zum Irrtum gekommen. Nun sagt Herr Dr. Eohn, dem ich übrigens in den meisten Punkten zustimme, Dankbarkeit ist keine Schande. Ganz gewiß, aber noch weniger ist es eine Schande öffentlich hierher zu treten und zu sagen: Meine Herren, ich habe einen Fehler begangen. (Lebhaftes Bravo! und Zischen.) Irrtum einzugestehen, das ehret den Mann. (Bravo!) Es ist wohl gar keine Frage, daß die Herren, welche hier gesagt haben, wir wollen sachlich und ruhig verhandeln, im Rechte sind, und ich meine nun,