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Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 257

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung
Date
1909-03-01
Page
257 (sequence 35)
Language
German
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Ordentliche Mitglieder-Versanunlnng (Antrag Scheinet). 257 Glaubens, in dem alle verschiedenen Meinungen vertreten und geduldet werden, so lange sie das große Ganze im Auge haben, den Kamps gegen die gemeinsamen Feinde, und zu denen zähle ich nach wie vor auch die Taufjuden. (Lebhafter Beifall.) - ' Aus erneute vielfache Schlußrufe erklärt der Vorsitzende: Wir können doch unmöglich nach jedem Redner wieder einen neuen Schlußantrag bringen. Das zieht die Sache nur weiter hinaus. Rechtsanwalt I)r. Eg er: Es ist schon wiederholt hervorgehoben worden, daß es nicht möglich sein wird, die Meinungen in Uebereinstimmung zu bringen über die Frage, ob und wann man für einen getauften Juden stimmen darf oder nicht. Ich beabsichtige auch nicht, diese Frage zu erörtern, besonders deshalb nicht, weil ich sie für außerordentlich unwichtig halte. (Oho!) Wir haben unendlich viel wichtigere Dinge zu tun. Ich halte auch den übertriebenen Haß gegen die Täuflinge für eine ^gleichgültige Sache. (Unruhe.) Der Haß hat immer eine gewisse Verwandtschaft mit verschmähter Liebe. Wir brauchen die Herren nicht. Wir haben genug zu tun mit dem Schutze derer, die bei uns bleiben wollen. Es genügt, wenn wir alle darüber einig sind: Wir verachten diese Leute. Ich meine aber doch, daß die ganze Angelegenheit nicht so im Sande zu verlaufen braucht, daß , es bei der Erklärung, daß alles geduldet werden müsse, nicht sein Bewenden haben darf. Geduldet muß es gewiß werden, welche Stellung jeder in politischen Fragen einnimt, aber was nicht geduldet werden darf, das ist die ganze Art und Weise, in der hier aufgetreten worden ist. Es ist gerade von antisemitischer Seite den Juden vorgeworfen worden, daß sie immer die Leute, die für sie gearbeitet haben, bekämpft haben, immer undankbar gewesen sind, ohne Verständnis für große Dinge die Leute aus kleinlichen Gründen verstoßen haben. Wir wollen dafür sorgen, daß dieser Vorwurf keine neue Nahrung erhält. Es mag gleichgültig sein, ob man den Standpunkt des Herrn Lövinson teilt oder nicht, alle sind wir aber hier der Ansicht, daß, selbst wenn er geirrt hat, er aus den edelsten, besten Beweggründen gehandelt hat. Es ist unerhört und im Central-Verein noch nicht dagewesen, daß eine kleine Gruppe einem Manne, gegen dessen Lauterkeit nichts

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