Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 254 (sequence 32)
- Language
- German
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254 Im deutschen Reich. nicht hineinhaben möchten. Ich kann es einem Politiker nicht verdenken, wenn er auch auf seine Parteirichtung Rücksicht nimmt. Wir brauchen die Politiker. Sie können es nicht mit einem Vereinsbeschluß aus der Welt schassen, daß unser Central-Verein einen großen Teil seiner Bestrebungen nur im Einklang mit den führenden politischen Parteien verfolgen kann. (Sehr richtig!) Helsen Sie uns darum, den Weg der Duldung und Verzeihung zu gehen, stellen Sie Haß und Rache in den Hintergrund. Die Herren, die so in den Versammlungen schreien, sind nicht immer diejenigen, die wie Herr J.-R. Lövinson die Kleinarbeit für die Sache des Judentums leisten. (Stürmischer Beifall.) Ohne alle Parteipolitik, ohne alle Parteileidenschast für das Judentum, für die Sache des Vereins, zur Ruhe und zum Frieden! (Erneuter stürmischer Beifall.) Vorsitzender: Es ist ein Antrag auf Schluß der Debatte eingegangen, von den Herren Di*. Toby Cohn und anderen! i -!;! J.-R. Dr. Lövinson: Da id) mich zum Wort gemeldet habe, bitte ich zunächst, den Schluß noch nicht anzunehmen. Der Vorsitzende verliest die noch auf der Rednerliste stehenden Herren, darunter befindet sich auch der von Herrn Schemel erwähnte Vetter des Herrn Lövinson, Herr Lazarus. — Der Schlußantrag wird hierauf ab gelehnt. J.-R. Dr. Lövins o n: Daß nach dem Angreifer und dem Verteidiger auch der Angeklagte zum Wort kommt, halte ich doch nur für natürlich. Ich war vor die Frage gestellt, ob ich, wie in der vorigen Versammlung, die sich mit dieser Angelegenheit beschäftigte, um des lieben Friedens willen auf das Wort verzichten und meinen Freunden und denen, die meine Meinung teilen, überlassen sollte, die Tatsachen und Erwägungen vorzubringen, die mich bei meinem Verhalten geleitet haben. Nun habe ich zu meiner Freude heute wenigstens darüber nichts gehört, daß mein Verhalten in sittlicher Beziehung anstößig sei oder daß der Takt und die Verantwortung, die meine Stellung im Vorstand des Central- Vereins mir auferlegt, irgendwie Schaden gelitten hätten durch mein Verhalten. Ich habe inzwischen auch die Genugtuung gehabt, daß sowohl der Vorstand des Central-Vereins wie der ge-