Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 253 (sequence 31)
- Language
- German
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Ordentliche Mitg lieder-Versannn! un g (Antrag Schemel). 253 auch hier bei uns sagen. Herr Schemel, dem ich mit großem Interesse zugehört habe, hat gesagt, daß er hier nur als Mitglied des Central-Bereins spricht. Das tue ich, denken wir alle. Wir müssen doch aber bedenken, daß wir hier auch von der großen Öffentlichkeit gesehen werden, und billiger¬ und klugerweise nur Dinge tun sollten, die das Judentum fördern. (Die Redezeit wird verlängert.) Es heißt nicht, das Judentum fördern, wenn man plötzlich aus einer Personenfrage eine Prinzipienfrage machen will. In dem Prinzip sind wir alle einig, und dies Prinzip zu vertreten ist ein Verdienst des Central-Vereins. Die Männer um Herrn Schemel stehen ja gar nicht so allein, wir sind ja im Prinzip alle ihrer Meinung. Wir haben in jahrzehntelanger Arbeit uns bemüht, das jüdische Selbstgefühl zu stärken. Wenn nun die Wellen branden und wenn namentlich auch aus anderen Quellen heraus manche Welle noch emporsteigt, dann sollen wir, die wir, denke ich, darüber erhaben sind, daß man uns zumuten könnte, geflissentlich etwas gegen die Interessen des Judentums zu tun, eigentlich uns freuen, müssen uns nun aber auch bemühen, daß die Wellen nicht verheerend unser Land überschäumen, sondern daß sie, nachdem sie ihre Schuldigkeit getan haben, wieder im. Sande verlausen. (Bravo!) Es gibt Dinge, von denen man sagen könnte, sie laufen aus wie das Hornberger Schießen, die aber dadurch, daß sie überhaupt da waren, einen großen Nutzen für die Bewegung, um die es sich handelt, bedeuten. (Sehr richtig!) Aus dieser Bewegung im Judentum hat alle Welt gelernt, die politischen Parteien sind über die Stimmung orientiert, und das ist doch die Hauptsache. Ich schätze und verehre meinen Freund Lövinfon sehr, aber ich sage mir, der Fortschritt des Judentums hängt, nicht davon ab, ob er im Vorstand bleibt oder nicht, ein weit größerer Schaden würde es sein, wenn man, nachdem aus dieser prinzipiellen Sache heraus für uns alle ein Nutzen entstanden ist, nunmehr Rache nehmen wollte an einem einzelnen. Davor möchte ich warnen, lassen Sie Ihre Parteileidenschaft draußen. Sie werden Ihre Gegner niemals überzeugen, uns aber alle einig sehen, wenn es gilt, für die Zukunft darüber zu wachen, daß unsere Gegner, unter denen wir die getauften Juden genau so verstehen wie die Antisemiten, nicht in Aemter hineinkommen, in die wir sie