Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 250 (sequence 28)
- Language
- German
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250 Im heutigen Reich. ober gar unmöglich machen, von ihren politischen Rechten den richtigen Gebrauch zu machen. Wir haben uns mit dieser Frage sehr wohl beschäftigt, und wir haben unsererseits schon die einleitenden Schritte getan und uns mit maßgebenden Persönlichkeiten in Verbindung gesetzt, und wir hoffen, dafür sorgen zu können, daß Kandidaturen getaufter Juden für die Zukunft nicht in dieser Zahl und wenn möglich überhaupt nicht mehr in die Erscheinung treten. (Lebhafter Beifall.) Das ist eine Forderung, in der wir alle durchaus einig sind und einig sein können. Aber wenn wir wissen, die Meinungen gehen auseinander darüber, wieweit der einzelne und auch das einzelne Vorstandsmitglied gehen soll, wenn es sich um die persönliche Betätigung seiner Staatsbürgerrechte handelt, so wollen wir solche Zweifel nicht etwa durch Gewalt entscheiden, wir wollen nicht einen solchen Fall als Erisapfel zwischen uns werfen lassen, uns untereinander in die Haare fallen und uns gegenseitig zerfleischen, anstatt in gemeinsamer Kraft uns den Aufgaben zu widmen, deren Erreichung unser aller gleichmäßiges Streben ist. Gehen Sie von diesem Gesichtspunkt aus an das Problem heran. Ich habe nicht die Absicht, auf die Einzelheiten des Falles einzugehen, ich will meinetwegen konzedieren, daß manches von den Dingen, die ich leicht widerlegen könnte, zutreffend ist, aber es ist ein Tröpfchen im Meer; die Sache ist tatsächlich nicht die Zeit wert, die wir darauf verwenden. Ich möchte also dringend die Herren, die das Bedürfnis haben, zur Sache zu sprechen, bitten, kurz und ruhig ihre Meinung zu sagen. Mögen Sie überzeuge sein, daß es ihnen ebensowenig gelingen wird wie mir — ich habe das allerdings nie versucht — einen, der den entgegengesetzten Standpunkt in dieser Frage hat, zu überzeugen. (Lebhafter Beifall.) Es laufen verschiedene Anträge ein, die Redezeit auf fünf resp. drei Minuten zu beschränken. — Der Antrag, die Redezeit auf drei Minuten festzusetzen, wird mit großer Mehrheit angenommen. Herr Dr. Lewinsky: Es wird mir nicht möglich sein, in der kurzen Zeit von drei Minuten die Affäre Mugdan- Lövinson zu beleuchten. Ich habe mich verpflichtet und kompetent gefühlt, als Leiter der politischen Organisation der freisinnigen Volkspartei im 2. Berliner Reichstags- und