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Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 249

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung
Date
1909-03-01
Page
249 (sequence 27)
Language
German
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Ordentliche MiLgtiedcr-Versalnnrlung (Antrag Schemel). 249 ienigen als Delegierte hierher, von denen sie glauben, daß sie die besten Vertreter ihrer Sache sind —, wenn also in diesen Kreisen, die doch in gleicher Weise bemüht sind, das Beste für das Judentum zu erkämpfen und unsere Sache aufs beste zu fördern, die Meinungen darüber auseinandergehen, ob man eine ein für allemal gültige Direktive in dieser Frage geben kann oder nicht, dann braucht man sich wirklich nicht darüber zu verwundern, daß sich 37 Mitglieder hier in Groß-Berlin gefunden haben — und ich gebe zu, es hätten sich sicherlich noch mehr finden lassen —, die diesen Standpunkt, den wir eingenommen haben, nicht teilen. Wie geben wir nun dieser Diskussion eine Wendung, daß sie für uns von Nutzen ist? Es wird nicht von Nutzen sein für uns, wenn Herr Schemel etwa hier Anhang finden sollte, was ich nicht glaube, und wenn seinem Anträge Folge gegeben würde. An und für sich ist es für eine Sache gleichgültig, ob sie von einer Person mehr oder weniger fortgeführt wird. Ich! meine aber, wir sollten berücksichtigen, daß diese Situation, in die selbst ein so vorzüglicher Jude wie Herr Lövinson kommen kann, ein Mißgeschick für uns ist, eine Situation, so unangenehm, so unglücklich, daß wir unter allen Umständen dafür sorgen müssen, ihr vorzubeugen. Das hätte damals geschehen müssen, es wäre Pflicht der Wähler des Bezirks gewesen, es wäre vielleicht die Pflicht gewesen für uns, schon früher einmal über diese Frage nachzudenken. Wir haben uns mit der Taufe im allgemeinen beschäftigt, unfern prinzipiellen Standpunkt geklärt, aber noch niemals eine aktuelle Veranlassung gehabt, uns mit der Frage zu beschäftigen: Wie verhalten wir uns bei Wahlen, wenn ein getaufter Jude als Kandidat auftritt? Diesen Nutzen hat wenigstens die Mugdan-Sache gehabt, daß sie uns diese Frage vor die Augen gerückt hat. (Sehr richtig!) Sie wissen, wie wir bei politischen Wahlen ganz einfachen Grundsätzen folgen: Wir bekämpfen den Antisemitismus. Das ist unsere einzige politische Richtschnur, ohne Parteipolitik, ohne nach links und nach rechts zu sehen. Gradeaus ist der Feind,.der uns in unserer Ehre angreifen will und uns unsere staatsbürgerliche Gleichberechtigung streitig macht. Es wird nun auch nötig sein, daß wir uns klar darüber werden, wie wir solche Kandidaturen vermeiden können, die es den Juden erschweren

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