Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 248 (sequence 26)
- Language
- German
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248 Im deutschen Reich. Arzt, ein tüchtiger Hygieniker dringend nötig ist im Stadtparlament, so muß ich als Steuerzahler und Bürger der Stadt diesen Gesichtspunkt bei der Wahl in den Vordergrund rücken. Das ist ein Standpunkt, von dem Sie -behaupten können, daß ihn nur Kurzsichtige oder unklar Denkende einnehmen, aber es gibt doch nun einmal auch unklar Denkende. (Heiterkeit.) So kann aus einer ganzen Reihe von Gesichtspunkten heraus die persönliche Stellungnahme bei solchen Gelegenheiten sehr verschieden sein. Nun legt Herr Schemel den Hauptwert darauf, daß Herr Lövinson Vorstandsmitglied des Central-Bereins ist und als solches niemals in der Oeffentlichkeit für einen getauften Juden eintreten durfte. (Sehr richtig!) — Sie sagen „Sehr richtig!" und andere, die schweigen, denken, daß das nicht richtig sei. (Heiterkeit.) Ich kann nicht unterscheiden, auf welcher Seite die Majorität ift, das wird der Ausgang der Diskussion schon zutage treten lassen. Wie denn nun, wenn ein anderer folgenden Gedankengang hat: Ich bin Vorstandsmitglied des Central-Bereins seit langen Jahren mit vollem Herzen, mit dem Eifer und dem Opfermut, den die Sache erfordert. Aber wenn ich Zeit, Kraft, Geist, alles für die Sache gewidmet habe, so bin ich doch nicht gesonnen, auch meine persönliche Freiheit zu opfern. Ich behalte mir vor, politisch mich so zu betätigen wie ich will. Wenn mir meine Partei einen Kandidaten hinstellt, ohne daß ich Gelegenheit hätte, bei dieser Aufstellung mitzuwirken, und ich als Soldat in Reih' und Glied marschierend meine politische Staatsbürger- Pflicht erfüllen will, so tue ich nichts weiter, als daß ich meine Stimme für den aufgestellten Kandidaten abgebe und ihn wähle. Da lasse ich mir vom Central-Verein nicht drein reden. (Sehr richtig! und Widerspruch.) — Daß man darüber verschieden denken kann, ist auch der Gedanke des Vorstandes gewesen, daß man, zumal als Jude, der doch heute leider Gottes oft genug darauf angewiesen ist, für sich Toleranz in Anspruch zu nehmen, auch die Verpflichtung habe, Toleranz zu üben. Und nicht nur der Vorstand ist dieser Meinung gewesen, sondern auch die Delegiertenversammlung, die die Vertretung unseres gesamten Vereins in ganz Deutschland darstellt. Wenn in diesen Kreisen — ich darf wohl sagen, den auserlesenen, denn die Mitglieder schicken doch nur die-