Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 246 (sequence 24)
- Language
- German
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246 Im deutschen Reich. Änsicht sind, Herr Lövinson habe den Borstand kompromittiert durch sein Verhalten bei der Wahl Mugdans. (Sehr richtig!) Der Vorstand ist anderer Meinung gewesen, und kompetenter für die Beurteilung einer solchen Frage ist doch von vornherein der Vorstand. (Widerspruch.) Wer seit langen Jahren Herrn Lövinson aus persönlichem Verkehr kennt, wird seine Verdienste um unfern Verein auf das höchste schätzen, (Unruhe.) Nun liegt die Sache so, daß die Herren Schemel und Genossen sich mit der Entscheidung, die der Vorstand in dieser Sache getroffen hat, nicht zufrieden gaben und deshalb, wie es ihr statutarisches Recht ist, an die ordentliche Mitgliederversammlung appellieren. Es befindet sich also der Vorstand augenblicklich vor dem hohen Forum der letzten Instanz. Nun, wir sehen mit vollständiger Ruhe Ihrem Urteil in dieser Sache entgegen. Der Vorstand hat in dieser Angelegenheit lange und schwierige Sitzungen gehabt, und er hat sich nicht nur darauf beschränkt, dieses Problem in seinem Kreise zu erörtern, sondern hat es auch für seine Pflicht gehalten, dies vor dem Forum der gestern tagenden Delegiertenversammlung zu tun, und zwar nicht etwa, um zu hören, wie die Herren sich zu dem persönlichen Verhalten eines einzelnen Vorstandsmitgliedes stellen, sondern um sachlich zu erörtern, wie man der ganzen Frage gegenüberzutreten hat. Dabei haben sich zweierlei Anschauungen ergeben, die in der Delegiertenversammlung vertreten wurden, die eine ungefähr in der gleichen Zahl wie die andere. Wir haben uns die Frage vorgelegt: Wieweit dürfen wir als deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens einen getauften Juden unterstützen, dürfen wir überhaupt in irgendwelche Beziehungen zu ihm treten, ihm zu Ehrenstellen verhelfen usw.? Ich will Ihnen beide Anschauungen möglichst sachlich vortragen. Die einen sagen: Wir stehen auf dem Standpunkt, daß die Taufe etwas durchaus Verwerfliches, etwas Unsittliches ist, denn wir betrachten es als selbstverständlich, und es' entspricht auch den Tatsachen, daß aus innerster Ueberzeugung heraus niemals sich ein Jude der Taufe unterzogen hat (Sehe richtig!), sondern nur aus materiellen Rücksichten, aus politischem Ehrgeiz, um eine gute Karriere zu machen, oder was sonst immer das Motiv dazu gewesen ist, um mit dem Heiligsten, was wir haben, mit unserm Glauben, unserer Religion Schacher zu treiben. Sie