Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 242 (sequence 20)
- Language
- German
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242 Im deutschen Reich. Ich werde bemüht bleiben, die Sache sehr objektiv zu beurteilen. (Zurufe: Kürz! Schluß!) Vorsitzender: So kommen wir nie gum Schluß. Ich werde es niemals zugeben roitueu, daß jemand, der hier das Wort hat, durch Schlußrufe aus der Versammlung der Möglichkeit ^beraubt wird, zu sprechen. (Lebh. Beifall.) Das ist in unseren Versammlungen nie Sitte gewesen und wird auch nie einreißen dürfen. Wer das Wort hat, spricht, und wer es nicht hat, den bitte ich dringend, nicht zu sprechen. Das stürmische Verlangen nach Schluß erzielt immer nur das Gegenteil. Lassen Sie den Redner ruhig sprechen, Ihre eigene Meinung können Sie nachher zum Ausdruck bringen. (Bravo!) Herr Schemel: Ich komme nun zu der Stellungnahme, die der Vorstand eingenommen hat, als er Kenntnis gehabt haben mußte, daß der Name des Herrn J.-R. Lövinson unter den Flugblättern gestanden hat. Der Vorsitzende unseres Vereins hat in einer Versammlung nach einem Vortrag die Erklärung abgegeben, daß die Stellungnahine des Vorstandes des Central-Vereins immer diejenige war, gegen das Taufjudentum aufzutreteu. Das hat niemand bestritten, und die Erklärung, die nachher auch „Im deutschen Reich" veröffentlicht wurde, traf gar nicht den Kernpunkt der Sache. Es ist uns gar nicht eingefallen, etwa zu erklären, daß der Vorstand des Vereins in seiner Gesamtheit für Herrn Dr. Mugdan eingetreten wäre. Was wir immer und immer nur verurteilt haben, ist, daß ein Vorstandsmitglied des Central-Vereins! sich für Dr. Mugdan erklärt hat, denn nur halten es für einen kolossalen Widerspruch, wenn jemand Vorstandsmitglied des Central-Vereins ist, eines Vereins, der die Stellungnahme gegen das Taufjudentum mit vollem Recht und in bisher anerkennenswerter Weise auf seine Fahne geschrieben hat — wenn ein solcher Herr seine parteipolitische Disziplin über die Stellungnahme als Vorstandsmitglied eines solchen Vereins stellt (Sehr richtig!) und öffentlich seine Bereitwilligkeit zu erkennen gibt, für Dr. Mugdan einzutreten. Wohl verstanden: ich überlasse es jedem einzelnen Juden, nach seiner Ueberzeugung zu urteilen, jeder einzelne hat die Berechtigung, einem getauften Juden die Stimme zu geben, das hat jeder mit seinem eigenen Empfinden abzumachen. — Wie ich darüber denke, habe ich, glaube ich§ nicht notwendig, zu er-