Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 238 (sequence 16)
- Language
- German
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238 Im deutschem Reich. hatten, haben nachher mehr als 12 ihre Unterschrift zurückgezogen, nachdem die bekannte Erklärung vom Vorstände abgegeben war und die Sache weiter geklärt, worden war, so daß nun nicht mehr die nötige Anzahl von Unterschriften vorhanden ist. Wir stehen deshalb vor der Frage, ob ein Antrag noch zur Debatte zu stellen ist, wenn er bis zur Generalversammlung die nötige Anzahl von Unterschriften nicht mehr ausweist. Wir haben aber geglaubt, uns der theoretischen Erörterung und Entscheidung dieser Frage entziehen zu sollen und diesen Antrag unter allen Umständen, auch wenn er eigentlich satzungsgemäß vielleicht nicht zur Beratung kommen dürste, doch zur Debatte zu stellen. Wir wollen denjenigen Herren, die uns dazu drängen, diesen Fall noch einmal in unserer Mitte zu verhandeln, die Gelegenheit dazu geben, in der sicheren Hoffnung, daß damit die letzte Beratung dieser Sache stattgefunden haben wird. (Bravo!) Also in der Hoffnung, daß die Versammlung uns Indemnität dafür erteilen wird, daß wir diesen Antrag vielleicht gegen unsere Satzungen zugelassen haben, gebe ich Herrn Schemel das Wort. Herr S ch e m e l: Die Vorgeschichte des Antrags ist Ihnen bekannt. Es handelt sich um die Stellungnahme eines Vorstandsmitgliedes anläßlich der Kommunalwahl in Berlin im 5. Gemeindebezirk in der 2. Abteilung. Mitte November hat die Hauptwahl, anfang Dezember die Stichwahl stattgefunden. Es standen sich bei dieser Wahl bekanntlich der evangelische Professor und Oberlehrer Richert und der Reichstagsabgeordnete Sanitätsrat Or. Mugdan, ein getaufter Jude, gegenüber. Es ist mir in der letzten Zeit in vielen Briefen, teils mit, teils ohne Unterschrift, und auch sonst vorgeworfen worden, daß ich, resp. meine Mitantragsteller, diese Frage vom parteipolitischen Standpunkt aus betrachten. (Sehr richtig!) Ich erkläre hiermit ausdrücklich, daß mir nichts ferner liegt. Ich betrachte die Sache einzig und allein vom Standpunkt des Juden (Bravo!h vom Standpunkt eines Mitgliedes des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Mein Antrag ist auch nicht nur von Anhängern meiner politischen Ueberzeugung unterschrieben worden, sondern auch von sehr vielen Anhängern der freisinnigen Partei, die in parteipolitischer Beziehung mit mir nicht konform gehen. Ich habe nicht die Absicht, eine politische Debatte, herbeizuführen, son-