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Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 228

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung
Date
1909-03-01
Page
228 (sequence 6)
Language
German
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228 Im deutschen Reich. ich nicht näher vortragen kann. Es sind überall, auch aus diesem komplizierten Gebiete Schritte getan, um eine Besserung zu erreichen. Was die Methode betrifft, so muß man gerade in solchen Fällen meist eine gewisse Vorsicht walten lassen, weil diese Verhältnisse nicht so klar da liegen, daß man ohne weiteres die Beweise in Händen hat. Man muß ruhig und sachlich, aber bestimmt Vorgehen, um zu erreichen, was man erstrebt. So ist die Aussperrung der jüdischen Aerzte in allgemeinen städtischen Krankenhäusern erst neulich von uns in Potsdam erfolgreich bekämpft worden. Dort hat das Allgemeine Städtische Krankenhaus eine Aerztestelle ausgeschrieben, ausschließlich für protestantische Aerzte. (Hört, hört!'; Wir haben uns an den Magistrat in Potsdam gewandt und ihm darauf hingewiesen, daß das dortige Städtische Krankenhaus unterhalten wird nicht nur von Protestanten, sondern von Protestanten, Katholiken und Juden, und daß darum jede Religionsgemeinschaft gleichmäßig das Recht hat, daß Aerzte ihrer Konfession ebenso angestetlt werden, wie die anderer Konfessionen. (Bravo!) Wir haben vom Magistrat die Antwort bekommen, daß er mit unserer Eingabe vollinhaltlich übereinstimmt — das „vollinhaltlich" war unterstrichen. Der Chefarzt des Krankenhauses in Potsdam ist angewiesen worden, das Inserat noch einmal zu erlassen ohne die Betonung der Konfession. (Bravo!) Wenn wir im einzelnen auf diese Dinge auch nicht allzu viel Wert legen, so ist es immerhin ein Fortschritt, imh man sieht doch in der Oefsentlichkeit, daß es noch Leute gibt, die sich nicht um ihr Recht prellen lassen, sondern die auftreten da, wo ausgetreten werden mich. (Bravo!) Noch von einer anderen Sperrung habe ich zu berichten, einer Sperrung, die allerdings nicht einen einzelnen Arzt betrifft, sondern Tausende von deutschen jüdischen Aerztew die Paß sperre nach Rußland. Es herrschen da die schändlichsten Verhältnisse: es ist einem deutschen jüdischen Arzt nicht möglich gewesen, auch nur 24 Stunden in Rußland zu weilen ohne ministerielle Genehmigung. Es find das Verhältnisse, die die Barbarei noch übersteigen, die wir im allgemeinen schon in Rußland gewöhnt sind. (Sehr gut!^> Wir haben das Material zusammengetragen, nicht mit großem

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