Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die ordentliche Mitgliederversammlung
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 229 (sequence 7)
- Language
- German
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Ordentliche Mitchieder-Versaminlunq (Jahresbericht). 229 Tamtam, sondern im Stillen, und haben es denjenigen, die informiert sein nmßten, den preußischen Aerztekammern, zur Verfügung gestellt. Eine große Reihe der Aerztekammern hat bereits den einstimmigen Beschluß gefaßt, den Reichskanzler ju bitten, gegen diese Zustände einzuschreiten Bravo!) und mit aller Energie dahin zu wirken, daß das russische Reich seine mittelalterlichen Vorschriften in dieser Beziehung beseitigt. (Bravo!) Ob es etwas nützt oder nicht, wird sich zeigen, schaden wird es jedenfalls nichts. Wenn die Aerzte in ihrer Allgemeinheit sehen, wie unrecht ihnen geschieht, so werden sie auch in anderer Beziehung vorurteilsfrei werden, und das kann zweifellos für uns nur von Vorteil sein. Ileberall, wo jemand Persönlich inegen seines Judentums beleidigt wird, sind wir eingesprungen, wo wir irgend konnten. Damit komme ich zu dem Bericht über den Rechtsschutz. Wir haben unsere Mitglieder, und man kann sagen, den größten Teil der deutschen Juden darüber belehrt, daß sie sich keine Angriffe gefallen lassen, sondern daß sie sich ihr Recht suchen, wo es immer geht. Ich habe jahrelang Persönlich einen Kampf geführt in München gegen eine der niederträchtigsten antisemitischen Zeitungen, den „Grobian". Ueberall, wo dieser „Grobian" einen auswärtigen Glaubensgenossen angegriffen hat, habe ich veranlaßt, daß der Betreffende darauf aufmerksam gemacht wurde und Klage erhob. Ich habe mich nicht gescheut, wenn ich den betreffenden Kläger vor Gericht vertreten habe, auch dem Gericht auseinanderzusetzen, als ich gefragt wurde, woher weiß der Mann bas: Er weiß es eben daher, weil ich es ihm durch den Central- Berein habe mitteilen lassen. Es ist vorgekommen, daß der Vorsitzende des Gerichts sein Bedenken geäußert hat, daß ich als Rechtsanwalt so etwas Lue. Da habe ich geantwortet: Ich bin Rechtsanwalt nicht nur für den einzelnen, sondern noch viel mehr Rechtsanwalt für die Gesamtheit der Juden, und wenn Glaubensgenossen von mir auswärts angegriffen werden, vollkommen grundlos, und der antisemitsiche Redakteur glaubt, sie lesen das nicht, und glaubt deshalb, sie mit Kot bewerfen zu können, so ist es meine hauptsächlichste Pflicht, darauf hinzuwirken,. daß die Betreffenden sich rühren und daß der Antisemit ins Gefängnis kommt, — und er ist auch ins Gefängnis