Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 219 (sequence 91)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2316602-2316779-2316783-2341358--18900-2341472- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Delegierten-Versammlung Kall Mugdall). 219 liche Angriffe jeder Art zu vermeiden. Im Wahlkampfe, das wissen wir Politiker, wird auf beiden Seiten gesündigt. Wir sind aber nicht dazu da, morgen dies bedauerliche Beispiel der Welt wieder vorzusühren. In deur einen sind wir jedenfalls alle einig, daß wir unfern Verein aus alle Fälle lebenskräftig erhalten wissen wollen. Dazu ist nötig, daß wir ihn nicht zum Spielball politischer Parteien machen lassen, und daß Sie es den Leuten, die unter Ihnen sind, und die einmal die Politik, welche die Juden brauchen, wenn sie staatsrechtlich vorwärts wollen, vertreten, — daß Sie es denen ermöglichen, dabei zu bleiben. Noch immer liegt die politische Macht in den Parlamenten, und nur, wenn wir dort Sprecher finden, namentlich aus jüdischen Kreisen, kann ein großer Teil von dem, was der Central-Verein vertritt, gefördert werden. (Sehr richtig!) Sie dürfen in den politischen Parteien nicht die Meinung auskommen lassen, daß unter uns irgendeiner wäre, dem der Central-Verein bei-seinen politischen Abstimmungen die Hand bindet. Wir haben ja heute gesehen, wie öde es wird, wenn jeder seine eigene Meinung nun bis zum bitteren Ende verfolgt, unnachgiebig und unversöhnlich die Meinungen aller anderen Leute in den Staub getreten wissen will. Wir können nur vorwärts kommen, wenn wir das Einigende in den Vordergrund schieben. (Lebhafter Beifall.) - Vorsitzender: Ich muß zu meinen: Bedauern konstatieren, daß die Rednerliste erschöpft ist. (Heiterkeit.) Herr Or. Jos. Lewy (Schlußwort): Ich betrachte die Debatte über den Fall Mugdan nicht als eine verlorene. Eine vielleicht nur indirekte Frucht ist dabei abgesallen, der politische Befähigungsnachweis für die Damen, die zum erstenmal einer solchen politischen Versammlung beigewohnt und volle acht Stunden hier ausgeharrt haben. Ein weiterer Erfolg ist der gewesen, daß der Gang der Diskussion fast den experimentellen Nachweis dafür erbracht hat, daß ich bei meinem Referat doch wohl von ganz richtigen Gesichtspunkten ausgegangen bür, wenn ich sagte: Wir kommen zu einem non liquet. Ich kann das statistisch belegen. Der Zufall will es, daß eine ungerade Zahl von Rednern gesprochen hat, die Unglückszahl 13 (Heiterkeit),, sonst wären wahrscheinlich auf beiden Seiten die Meinungen gleich. So mußte sich eine kleine Differenz ergeben, und die geht dahin, daß sechs Herren