Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 216 (sequence 88)
- Language
- German
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216 Im deutschen Reich. oder andern Richtung anschließen, oder sollen wir uns aus den Standpunkt des wlerari posse stellen? Es kann kein Zweifel sein, wir haben im Central-Verein allmählich gelernt, politische und religiöse Interessen beiseite zu setzen und nur das hervorzukehren, was uns eint. Daher müssen wir uns aus den Standpunkt stellen, der Ihnen vorhin als Standpunkt des Vorstandes proklamiert worden ist, daß wir prinzipaliter die Taufe verurteilen, daß wir uns aber nicht verhehlen können, daß eine allgemein gültige Regel, Wie wir uns Täuflingen gegenüber bei Wahlen zu verhalten haben, sich nicht bindend aufstellen läßt. Der eine Redner hat sehr richtig gesagt, daß die Gewissen geschärft worden sind durch diese ganzen Debatten. Ich begrüße das. Wenn wir so weiter innere Mission treiben, wie das der Central-Verein bisher getan hat, dann werden die Gewissen weiter geschärft werden, dann werden wir erreichen, daß es beizeiten vermieden wird, daß Kandidaturen in Frage kommen, die nachher einzelne vor unangenehme Situationen stellen. Wir brauchen keine Resolution, wollen uns aber morgen einig und geschlossen auf diesen Standpunkt stellen. (Bravo!) Herr Dr. Mainzer- Frankfurt et. M.: Ich komme auch aus dem Süden und kann Ihnen berichten, daß ich von der großen Aufregung, die Herr vr. Apfel beobachtet haben will, nichts bemerkt habe. Bei uns in Frankfurt hat ein Herr, der gar nicht Mitglied war, seinen Austritt aus der Orts- gruppe exliäxt (Heiterkeit.) Es ist bei uns gegen die Ortsgruppe allerdings stark agitiert worden, aber von zwei Herren, die Vorstandsmitglied, bezw. Mitglied der dortigen liberaldemokratischen Partei sind. Das hat in Frankfurt stutzig gemacht. Man hatte die Empfindung, hier wird gegen den Central-Verein angegangen, nicht im jüdischen Interesse, sondern es handelt sich um Quertreibereien im Interesse einer bestimmten und gegen das Interesse einer andern bestimmten politischen Richtung. In Frankfurt hat man sich folgendes gesagt: Da stehen sich zwei Richtungen, die sich bitter befehden, gegenüber, von denen die eine ein Interesse daran hat, diesen ersten politischen Wahlerfolg (Sehr richtig!) zu erringen, und die andere ein großes Interesse daran hat, diesen Wahlerfolg zu verhindern. Da ist doch begreiflich, wenn ein Mann, der bekanntermaßen zu denpolitischen Führern der einen Richtung