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Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 212

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
Date
1909-03-01
Page
212 (sequence 84)
Language
German
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212 Im deutschen Reich. Standpunkt deckt sich genau mit dein meines Herrn Vorredners. Schon auf der vorigen Delegiertenversammlung habe ich gesehen, daß die Differenzen zwischen Freisinniger Volkspartei und Vereinigung anfingen, mitzuspielen. Der Fall Mugdan ist gar nicht verständlich, wenn man diese Differenzen nicht kennt. Ich kenne sie leider Gottes sehr genau. Ich habe niemals zur Freisinnigen Volkspartei gehört, habe mich mit Herrn Mugdan schon in politischen Versammlungen gezankt, aber ich würde trotzdem aus dem Grunde, daß er getauft ist, niemals einen Anlaß herleiten, gegen ihn zu stimmen, wenn ich zu seiner Partei gehörte. Der Central-Verein ist mißbraucht worden (Sehr richtig!), und er darf sich nicht mißbrauchen lassen. Man hat einen Keil in den Central-Verein hineintreiben wollen, um Mugdan zu schaden. Dazu ist mir der Central-Verein viel zu gut. Es ist hier mit einer gewissen Mißachtung von der „Barthschen Gruppe" gesprochen worden. Ich bedaure das außerordentlich, denn Herr Dr. Barth ist ein Mann, der ganz außerordentliche Verdienste im Kampfe gegen den Antisemitismus hat. (Sehr richtig!) Wenn ich den Fall Mugdan-Richert betrachte, so fällt mir die alte Fabel von den beiden Hunden ein, die sich darum stritten, wer das Schaf schützen wolle, und das Schaf wurde dabei zerrissen. (Sehr gut!) Indem beide Kandidaten sich gegenseitig Antisemitismus vorgeworfen haben, indem die Juden als solche im Kampfe zwischen den Parteien angerufen worden sind, hat das Judentum als solches, hat der Central-Verein und seine Stellung Schaden gelitten. Das ist die ganze Geschichte nicht wert. Die Frage, wie man sich zu den einzelnen getauften Juden, namentlich zu einer Kandidatur derselben stellt, ist eine Frage, die nur nach politischen und lokalen Gesichtspunkten beurteilt werden kann. (Widerspruch und sehr richtig!) Wenn die Herren aus Köln eine ganz prinzipielle Stellungnahme mitgebracht haben, so ersehe ich daraus zu meiner Freude, daß die Verhältnisse bei Ihnen anders liegen, als bei uns in Hamburg und in Berlin. Ich ziehe folgende Konsequenz aus dem Gehörten: ob bei politischen Wahlen ein Jude einen getauften Juden unterstützen darf oder nicht, ist eine Frage, die nicht vom Central-Verein zu lösen ist, ihre Lösung muß dem Gewissen des einzelnen und lokalen und politischen Erwägungen überlassen bleiben. Deshalb bin

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