Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 205 (sequence 77)
- Language
- German
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Delegierteri-Wusammlrug (Fall Milgdan). 205 gibt gerade in Berlin eine Anzahl Leute, denen es nicht vergönnt ist, in der großen Politik eine Rolle zu spielen, und die deshalb in der jüdischen Gemeinde eine Rolle spielen möchten, die, weil sie keine Revolution draußen machen können, eine Revolution in Krähwinkel machen wollen — ich denke besonders an eine Zeitung —, Leute, deren Verdienste um das Judentum bisher wenig bekannt geworden sind, und die mit Vergnügen einen Punkt herausgreifen, wo sie glauben, eine große Volksbewegung entfachen zu können. Hat man es doch für nötig gehalten, große Volksversammlungen einzuberufen, große Zettel an die Säulen zu kleben, und anstatt geschlossen gegen die Antisemiten vorzugehen, der Welt zu zeigen, welche Kämpfe innerhalb des Judentums vorhanden sind. Also es handelt sich gar nicht darum, hier die Frage zu entscheiden, ob wir für oder gegen einen getauften Juden stimmen sollen, sondern darum, dagegen Front zu machen, daß in dieser Weise agitiert wird, daß sich innerhalb des Judentums eine Opposition bildet, die in großen Volksversammlungen gehässige Resolutionen faßt. Dagegen muß in allererster Linie Stellung genommen werden. Ich bitte Sie, es möglichst als Ausdruck der allgemeinen Ueberzeugung aller Anwesenden hinzustellen, daß dagegen protestiert wird, daß in dieser Weise Meinungsverschiedenheiten ■ in den Verein getragen werden. (Bravo!) Herr Siegfried Simon-Köln: Herr vr. Apfel hat Ihnen schon gesagt, wie man in Köln über die Sache denkt. Obwohl wir in Köln, wenn es auch schon geraume Zeit im Zeichen des lustigen Karnevals steht (Heiterkeit), die Frage mit aller Nüchternheit behandelt haben, haben wir doch den Standpunkt, den man in Berlin einnahm, einfach nicht verstanden. Für uns handelt es sich nicht um den Fall Mugdan, auch nicht etwa um den Konflikt, den Herr J.-R. Lövinson innerhalb des Vorstandes hatte, auch nicht darum zu entscheiden, wie groß die Verdienste des Herrn Lövinson waren, sondern wir haben die Frage von einem viel höheren Gesichtspunkt aus behandelt, von dem Gesichtspunkt des jüdischen Gewissens, der allein für uns ausschlaggebend ist. Und von diesem Gesichtspunkt aus haben wir nicht verstanden, wie man die ganze Sache behandelt hat. Es wurde von allen Seiten betont, daß es für uns keinen größeren Feind gibt,