Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 206 (sequence 78)
- Language
- German
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206 Im deutschen Reich als den Getauften, als die Taufe, um des schnöden Vorteils willen, und zwar die Taufe gerade in gebildeten Kreisen, aus deren Erhaltung wir in den Kreisen des Judentums den höchsten Wert zu legen haben. Die Taufe frißt am Rückenmark unseres Judentums; sie wird, wenn sie in dieser Weise weiter grassiert, es fertigbringen, in bestimmten großen Städten — wir am Rhein sind glücklicherweise noch davon verschont geblieben —, daß das Judentum dereinst in eine traurige Lage kommen wird, besonders dann, wenn Sie diese Dinge mit dem kombinieren, was wir heute über die Jugend gehört haben. Der Antisemitismus hingegen hat bis jetzt unser Rückgrat gestärkt, und wir können ihm offen entgegentreten. Also darüber sind wir uns einig. Wenn wir den Central-Verein als Abwehrverein für den Antisemitismus gegründet haben, dann können wir vernünftigerweise zu keinem anderen Schluß kommen, als eine Resolution zu fassen, die deutlich ausspricht, daß wir an erster Stelle die Taufe zu bekämpfen haben. Wenn wir das tun, dann werden wir implicite auch den Antisemitismus bekämpfen. (Sehr richtig!) Nun noch eins. Wir betonen immer, die Regierung setzt eine Prämie aus auf die Taufe, indem sie die Getauften befördert. Wenn wir aber Hier als Mitglieder des Central-Vereins die Täuflinge in Schutz nehmen, wie es teilweise geschehen ist, dann setzen wir die Prämie aus auf die Taufe. (Sehr richtig!) Wir haben heute abend von einem Redner, ich glaube, von Herrn Löser gehört, daß fünfzig Juden für die Kandidatur Mugdans gestimmt haben in der Versammlung, wo er aufgestellt wurde, daß unter 50 Juden sich keiner dagegen gewandt hat. Er wies darauf hin, daß bereits acht getaufte jüdische Stadtverordnete in Berlin gewählt sind. Er wollte wohl damit begründen, daß es auf einen mehr oder weniger nicht ankommt. So etwas verstehe ich nicht. Die Resolution, die uns hier vorgeschlagen wird, dürfen wir nie und nimnrer annehmen, sondern eine Resolution, die genau das Gegenteil besagt. (Bravo!) Herr vr. Felix Blumenfeld -Kassel: Wenn man die Ausführungen des Vorredners unterschreibt, so müßte man tatsächlich einen Antisemiten wählen, wenn er einem getauften Juden bei der Wahl gegenübersteht. (Widerspruch, Zuruf: Stimmenthaltung!) Wir in der Provinz haben den