Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 204 (sequence 76)
- Language
- German
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204 Im deutschen Reich. Versammlung des Central-Vereins abzuhalten, weil er der Meinung ist, daß eine Trennung nicht zu vermeiden ist. (Zuruf: Na! Na!) Ich persönlich und alle Sie hier, die eine gewisse politische Schulung haben, verstehen ohne weiteres den Standpunkt, den Herr J.-R. Lövinson, unser verdientes Vorstandsmitglied, dargelegt hat. Wir berücksichtigen, daß hier spezifische Berliner Verhältnisse, die erbitterte Feindschaft zwischen Freisinniger Volkspartei und demokratischer Richtung mitspielt. (Sehr richtig!) Aber kommen Sie nach Süddeutschland, kommen Sie in unser friedliches Cöln, wo man viele Leute nur mit Mühe davon abgehalten hat, ans dem Central-Verein auszutreten — die Leute verstehen nicht die feinere Politik, die wir uns zueigen machen. Ich versichere Ihnen, daß in unserer Ausschußsitzung in Cöln die loyalsten, friedlichsten Herren empört waren über die Vorgänge, vielleicht weil sie nicht über die einzelnen Schritte unterrichtet waren; jedenfalls hat man es nicht verstanden, die Oeffentlichkeit in geeigneter Weise über die Sache aufzuklären, so daß man in. der Oeffentlichkeit nicht richtig verstanden hat, was der Vorstand und J.-R. Lövinson gemeint hat. Wir sind hierher geschickt, um nach Hause etwas Positives mitzubringen. Aber diese Resolution kann ich nicht wagen mitzubringen. Rechtsanwalt vr. Eger: Die Streitfrage ist verschoben worden. Es handelt sich nicht lediglich darum, Stellung zu nehmen, ob man für einen getauften Juden stimmen soll oder nicht, sondern um die Frage, wie wir uns zu der Agitation stellen sollen, die in der letzten Zeit hervorgerufen worden ist gegen ein verdientes Mitglied des Vorstandes. Ich bedaure, da eine gewisse Lauheit im Vorstand zu finden. Wenn Sie auf dem Standpunkt des wlerari possc gegenüber den divergierenden Meinungen in dieser Frage stehn, so kann ich es doch nicht billigen, wenn mit einem tolerari passe darüber hinweggegangen wird, daß in dieser Weise eine gehässige Agitation hervorgerufen und verbreitet worden ist gegen einen Mann, der doch nichts getan hat, als seiner lautersten Ueberzeugung zu folgen. Man soll die Meinung nicht aufkommen lassen, als ob Männer, die sich um das Judentum hochverdient gemacht haben, hier vor ein Scherbengericht gerufen werden sollen, nur weil es irgendeinem Zeitungsschreiber beliebt, eine Herostratenrolle zu spielen. Es