Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 203 (sequence 75)
- Language
- German
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Delegierwo - Versamwl'. mg (Fall Mugdan3 203 (Lebh. Zuft.), das erkläre ich der Parteileitung. Wir müssen den Herren vorher begreiflich machen, daß wir unter keinen Umständen für einen getauften Juden eintreten werden. Das ist keine Intoleranz, das heißt nur, seinen Ehrenstandpunkt wahren. (Lebh. Beifall.) Herr Oppenheim-München: Es ist vorhin gesagt worden, daß die Süddeutschen kein Interesse an dem Fall Mugdan hätten. Wir haben wohl ein Interesse daran, den Standpunkt zu vertreten, daß wir dem Täufling schroffer gegenüberstehen als selbst dem schlimmsten Antisemiten, denn der Antisemit mausert sich, der Täufling nie. Er ist der charakterloseste Mensch, und einen charakterlosen Menschen dulde ich nicht in meiner Gesellschaft, dem gebe ich nicht meine Stimme, ich spreche mit ihm überhaupt nicht. (Bravo!) Aber im gewissen Sinne haben wir Süddeutschen eigentlich doch nicht das Interesse daran wie Sie. Wir haben es aus tiefem Herzen bedauert, als wir lasen, daß Herr J.-R. Lövinson seine Stellung niedergelegt hat, denn wir erkennen, in ihm eines der eifrigsten und vorzüglichsten Mitglieder. (Lebh. Bravo!) Es ist kein Grund, alles von sich zu werfen, bloß deshalb, weil im Augenblick eine Meinungsverschiedenheit besteht. (Bravo!) Ich hätte vielleicht an seiner Stelle, gedrängt durch die Verhältnisse, ebenso gehandelt, aber ich hätte doch deshalb nicht gleich das Amt niedergelegt, weil mir ein paar Leute das übelgenommen haben. Das tut man nicht, Herr Justizrat. Ich möchte wünschen, daß wir dem Vorstand, dem wir ja heute bei den Satzungen so viel vertraut haben, auch in dieser Sache unser Vertrauen schenken — Sie haben gehört, es sind Verhandlungen mit den Freisinnigen gepflogen — daß wir künftig nicht mehr in eine solche Zwickmühle geraten und nicht mehr das Gewissen unserer Mitglieder beladen. Das genügt uns, und ich bitte Sie, der verlesenen Resolution zuzustimmen. (Bravo!) Herr Dr. Apfel- Cöln: Ich stehe auf dem Standpunkt, daß, wenn Sie die eingebrachte Resolution annehmen, Sie tatsächlich einen Keil in den Verein hineintreiben. Das scheint den Herren vom Vorstand noch nicht klar geworden zu sein, wie eigentlich die Stimmung draußen im Reiche ist. Es ist soweit gekommen, daß an manchen Orten der Ortsgruppenvorstand nicht mehr wagt, eine Mitglieder-