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Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 202

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
Date
1909-03-01
Page
202 (sequence 74)
Language
German
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202 Im deutschen Reich. ungefähr das sein, was morgen vor der Generalversammlung ausgesprochen werden soll. Professor Dr. C a r l L e w i n-Berlin: Ich befinde mich hier in -der merkwürdigen Lage, daß ich einen Borstandsbeschluß gern herbeiführen möchte, und mir doch nicht verhehle, daß ein solcher außerordentlich schwierig ist. Das gestehe ich den Herren ohne weiteres zu. Aber-man kann wenigstens aus der Vergangenheit lernen, und da meine ich, wir müssen es für die Pflicht unserer Mitglieder halten, wo immer sie in der Lage sind, irgendeine Betätigung im politischen Leben auszuüben, bei Wahlen irgendwelcher Art mitzuwirken, daß sie nicht einen großen Teil der jüdischen Mitbürger vor einen schweren Konflikt stellen. Gegenüber den Herren, die immer zum Frieden reden, kann ich bei aller Anerkennung dieses Standpunktes doch nicht verhehlen, daß wir sehr wohl ganz getreu unseren Grundsätzen eine prinzipielle Stellungnahme haben könnten, wenn wir nicht die Opportunitätspolitik im Hinblick darauf machen müßten, daß wir eine große Zahl von Mitgliedern dann eventuell zurückstoßen. Es wird sich aber doch im Laufe der Zeit wenigstens dank diesen Verhandlungen, die ich für außerordentlich segensreich halte, endlich der Standpunkt immer mehr und mehr auch für die durchringen, welche bisher nicht auf diesem Standpunkt gestanden haben, daß es nämlich auch im politischen Leben unbedingt nötig ist, daß wir in gewissen Fragen erklärend priucipiw obsta. (Sehr richtig!) Wir können keiner Partei, der wir angehören, das Recht zugestehen, uns in einen schweren Gewissenskonflikt zu bringen. Was auch immer die Herren, welche auf einem anderen Standpunkt gestanden haben, ausführten, so haben sie doch immer betont — auch Herr Rechtsanwalt Cohn hat das gesagt —, keiner will irgendwie einem Getauften dienlich sein. Wenn wir uns das zum Grundsatz machen und immer daran denken, daß wir uns zusammengetan haben, um gegen den Antisemitismus zu kämpfen, dann werden wir auch die Stellungnahme gegenüber einem getauften Kandidaten finden. Ich stimme darin Herrn J.-R. Fuchs bei, ich halte den getauften Juden für tausendmal schlimmer für uns, als den Antisemiten, denn der getaufte Jude fällt uns in den Rücken, zersprengt unsere eigenen Reihen. Einen Herrn, der einen moralischen Defekt hat, den tvähle ich nicht

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