Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 200 (sequence 72)
- Language
- German
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200 Im deutschen, Reich. rvesenden abweichenden, politischen Ansicht ein Streit entfacht würde, der vielleicht besser zu vermeiden sei. Wir werden uns, glaube ich, darüber klar sein müssen, daß hier tatsächlich Differenzen schwerwiegender Art vorliegen, und es fragt sich, wie voir bei dieser Situation unsere Position innerhalb des. Vereins als eine geschlossene aufrechterhalten können. (Die Redezeit wird verlängert.) Da ist in der heutigen Vorbesprechung im Vorstande — das darf ich wohl mitteilen — die Meinung dahin gegangen, daß wir in aller Ruhe öffentlich erklären dürfen,- und auch morgen, daß im Vorstand darüber, ob für einen getauften Juden jemals öffentlich eingetreten werden darf oder nicht, quantitativ verschiedene Ansichten allerdings vorhanden sind. Die einen sagen, das ist dann der Fall, wenn ein getaufter Jude etwa mit einem Antisemiten int Wahlkampf steht, und die anderen sagen, es gibt auch andere Situationen, in denen man seiner politischen Meinung freien Lauf lassen soll. Diese Differenzen sind vorhanden, aber darüber besteht eben die Einigkeit, daß diese Differenz nicht eine derartige ist, um darüber zu einer Sprengung des Vorstandes oder womöglich des Vereins zu gelangen. Deshalb würde ich Sie bitten, dem Vorschlag zuzustimmen, daß morgen erklärt wird, es sei diese Frage keine solche, welche uns dazu nötigt, uns voneinander zu trennen bei einem gemeinschaftlichen Kampf, den wir bisher, und wir dürfen wohl sagen, nicht ohne Erfolg geführt haben. Ich würde also meinen Vorschlag dahin zusammenfassen, daß an und für sich morgen eine Resolution nicht vorgeschlagen wird, daß, wenn aber eine solche gewünscht würde, wir uns dann darüber verständigen, eine Resolution der Delegiertenversammlung vorzulegen, welche diesem Standpunkt Ausdruck gibt. Eine solche Formulierung ist, glaube ich, heute früh gefunden worden, Herr Dt. Brodnitz war der Antragsteller. Ich glaube, es würde zum Frieden beitragen, wenn Herr Kollege Dt. Brodnitz sie uns auch jetzt in der Delegiertenversammlung vorlegt, damit wir erfahren, ob der Wunsch der Delegiertenversammlung mit dem übereinstimmt, was heute der einstimmige Wunsch des Vorstandes war. (Bravo!) Herr Dt. Brod n i tz: Soviel haben Sie wohl aus den Erörterungen ersehen, daß wir zweierlei zu trennen haben. Eine Frage, die von sehr geringer Bedeutung ist, und die