Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 197 (sequence 69)
- Language
- German
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Delegierten-Versainrnlung (Anfrage der Ortsgruppe Oppeln). 197 im Centralvorstand etwas mehr Erfahrung über die Redner sowohl wie auch über die Themata. Wir wissen, was aktuell ist, und wir wissen, daß es auch Themen gibt, die für den Central-Verein einigermaßen gefährlich sind und durchaus nicht für ihn passen. Wir müssen auch deshalb Kenntnis davon haben, damit die Versammlungen nicht ad libitum inszeniert werden, denn sie verursachen Kosten, und zwar viel größere, als den meisten bekannt ist. Wenn sich z. B. eine Ortsgruppe einen Redner aus Wien schicken läßt, der vielleicht große Ansprüche stellt, so kann er nicht mit wenig abgespeist werden. Dazu kommen die Kosten für das Versammlungslokal, so daß eine Versammlung, die vielleicht nur wenig Mitglieder bringt, oft 500 Mk. kostet. S o können wir nicht wirtschaften. Die Anforderungen, die an unseren Geldbeutel gestellt werden, sind ganz kolossale, namentlich auch bei politischen und andern Wahlen. Sie wissen, daß der Hauptvorstand dort, wo er Redner hinschickt, auch das Geld gibt. Es würde also -bedenklich sein, wenn die Dezentralisation soweit ginge, daß die Ortsgruppen selbständig, ganz ohne uns Kenntnis zu geben, sich Redner und Lokale beschaffen könnten. Ich möchte deshalb dafür plädieren, daß davon abgesehen wird, den Ortsgruppen diese Freiheit zu gewähren, und daß der Antrag Oppeln nicht angenommen wird, — es handelt sich ja auch nur um eine Anfrage. J.--R. Saling er - Oppeln: Die Antwort des Herrn Vorsitzenden befriedigt mich nicht, weil sie gar nicht den Kern der Sache trifft. Daß die Ortsgruppen verpflichtet sind, von Versammlungen Mitteilung zu machen, ist ganz selbstverständlich, das steht ja im Statut. Dagegen habe ich gar nichts, wenn der Vorstand erklärt: Diese oder jene Versammlung genehmigen wir nicht, sie ist zu teuer. Dem müssen wir uns fügen. Aber der Beschluß des Vorstandes lautet dahin: Die Wahl der Themata soll der Genehmigung unterliegen, und das geht zu weit. Unser verehrter Syndikus, Herr Or. Holländer, hat am Eingang der heutigen Verhandlungen ganz richtig gesagt, die Ortsgruppen müssen am besten wissen, was ihnen not tut. Bei ollem Respekt vor dem Wissen und der Fähigkeit des Vorstandes meine ich doch, daß wir in der Provinz an: bestell wissen müssen, was für unser Publikum tauglich ist. Wenn wir ein Thema für zuträglich halten, so kann der Vor-