Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 196 (sequence 68)
- Language
- German
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196 Im deutschen Reich. Leiten sein. Wer selbst noch nicht erzogen und durchgebildet ist, kann auch andere nicht bilden. Wenn von Drahtziehen hinter den Kulissen gesprochen worden ist, — glauben Sie, daß die Jugend so dumm ist, das nicht zu merken? — die wird sich dadurch noch viel mehr abgestoßen fühlen. — Meine drei Minuten sind noch nicht abgelaufen, ich schließe trotzdem und bitte Sie, um Annahme der Resolution, die übrigens nicht meine Resolution ist, sondern der sich die beiden andern Herren Referenten anschließen. Die Resolution des Herrn Dr. Hinrichsen spricht im wesentlichen dasselbe aus, so daß wir auch nichts dagegen haben, wenn diese Resolution angenommen wird. (Bravo!) Herr Dr. Apfel- Köln verzichtet auf das Wort. Herr Referendar Regensburger- Braünschweig: Herr Rabbiner Di. Appel sprach davon, daß ich mit großem idealistisch-jugendlichem Eifer geredet hätte. Als Entschuldigung besonders den älteren Herren gegenüber möchte ich sagen, daß der Idealismus das schönste Vorrecht der Jugend ist und daß man an die Organisierung einer so großzügigen Bewegung nur mit einer kräftigen Dosis von frisch-fröhlichem Optimismus Herangehen kann. (Bravo!) Vorsitzender: Wir kommen zur Abstimmung. Wünschen Sie überhaupt eine Resolution? (Rufe: Nein, nein!) Es wird also abgelehnt, eine Resolution zu fassen. (Zustimmung.) Wir kommen zum nächsten Punkt, der Anfrage der Ortsgruppe Oppeln: „Welche Gründe haben den Centralvorftand veranlaßt, den die Bewegungsfreiheit der Ortsgruppen erheblich einschränkenden Beschluß zu fassen, daß die Wahl des Themas eines Vortrags der jedesmaligen Genehmigung des Centralvorstandes unterliegt?" Ich möchte zur Erläuterung folgendes sagen: Wie Ihnen bekannt ist, veranstalten wir Versammlungen nicht nur in Berlin, sondern auch in andern Ortsgruppen über ganz Deutschland, in Nord und Süd, in Ost und West. Es war bisher Sitte, daß dem Eentralvorftand mitgeteilt wurde, wenn eine Versammlung stattfand, wo sie stattfindet, ob wir sie beschicken sollten, wer der Redner und welches das Thema ist. Das war aus guten- Gründen geschehen, denn wir haben