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Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 195

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
Date
1909-03-01
Page
195 (sequence 67)
Language
German
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Delegierten-VersammLimg (Orgauifation der jüd. Jugend). 195 jüngeren Herren entnommen, daß es vermieden werden muß, den Eindruck zu erwecken, als ob etwa die Jugendvereine ein Appendix des Central-Vereins werden sollen. Die Jugendvereine wollen Selbständigkeit haben, und ich persönlich halte es auch für das richtige, daß man sie selbständig arbeiten läßt; sie werden dann zu unseren Zielen kommen. In diesem Sinne habe ich meine Resolution vorgeschlagen, die einfach besagt, daß der Central-Verein es freudig begrüßt, wenn durch die Arbeit in den Jugendvereinen das Verständnis für die Ziele des Central-Vereins gefördert wird. Für noch besser halte ich es allerdings, wenn keine Resolution gefaßt wird. Wenn also der Herr Referent seine Resolution zurückzieht, so werde ich meine auch zurückziehen. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird mit 30 gegen 29 Stimmen angenommen. — Es folgen die Schlußworte. Rabbiner Dr. Jacob: Ich würde verzichten, wenn ich nicht mehrere Mißverständnisse aufzuklüren hätte. Ich soll die spezifisch jüdischen Vereine, die spezifisch jüdische Interessen verfolgen, getadelt haben. Mir wäre nichts lieber als ein Verein junger Leute, der sich dem Studium der Bibel widmen würde, aber ich habe von der gesamten Jugend, nicht von denen gesprochen, die nur spezielle Interessen haben. Bei den Vorträgen handelte es sich nicht um Themata einzelner Vorträge, sondern ganzer Zyklen, die über einen ganzen Winter durchgeführt werden. Jnbezug auf die Standesvorurteile kann ich doch der Schwarzfärbung, die hier beliebt ist, nicht beiftimmen. Die Jugend ist nicht so schlimm. Ich spreche da keineswegs als Theoretiker, ich habe ja selbst Erfahrung darin. Ich lebe selbst in einer Gemeinde, in der so verschiedenartige Elemente wie in irgendeiner andern sind, aber ich habe das nicht gesunden. Wir haben Architekten, Techniker, Handwerker, Bankbeamte sogar. — Man hat es getadelt, daß ich zu theoretisch gesprochen hätte. Aber meiner Ansicht nach muß jede praktische Arbeit von großen theoretischen, idealistischen Gesichtspunkten ausgehen, wenn sie Früchte bringen soll. Und was die Leitung anbetrifft, so habe ich nicht gesagt, die Rabbiner sollen unter allen Umständen Leiter sein, sondern wenn ich von Rechtsanwälten, Aerzten, überhaupt Intellektuellen sprach, so habe ich damit sagen wollen, die Leiter müssen jedenfalls selbKändige, fertige Persönlich-

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