Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 192 (sequence 64)
- Language
- German
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192 Im deutschen Reich. leiter eines großen Bankgeschäfts als Vorstand im Verein. (Zuruf: Da haben Sie Glück gehabt!) — Ich erlaube mir noch einen Vorschlag. Der Central-Verein hat es meiner Ansicht nach nicht nötig, derartige Vereine mit Geld zu unterstützen. Er kann es zum Teil gar nicht, ohne einen Teil seiner Mitglieder vor den Kopf zu stoßen. Er hat es auch nicht nötig, Vorsitzende für solche Vereine zu liefern, denn das wäre ein Schaden. Aber ich möchte im Ernst bitten, diejenigen unter uns, welche junge Leute beschäftigen, und schon Söhne in einem Alter haben, daß sie dem Verein beitreten können, die sollen dafür sorgen, daß das geschieht. Das ist der Hauptfehler, die wohlhabenden eingesessenen Familien' halten sich zurück. . Insofern weiche ich von Herrn Dr. Apfel ab. Es sind nicht bloß die Söhne des Proletariats oder auch nicht vorwiegend, sondern es sind vorwiegend die Söhne der Reichen, die es nötig haben, in diese Vereine zu gehen und dort etwas vom Judentum zu lernen, zu lernen, daß sie etwas für unser Judentum tun. (Bravo!) Herr Dr. Löwe n st e i n - Aachen: Die Ausführungen des Herrn Korreferenten haben mich eigentlich der Mühe überhoben, das zu sagen, was ich in den Ausführungen der beiden Referenten vermißt habe. Das, was den Jugendvereinen fehlt, ist die Mitwirkung des Hauses; es fehlt das jüdische Haus. Ich weiß nicht, ob der Central-Verein sich die Mühe gemacht hat, die Einwirkung seiner älteren Mitglieder auf die Jugend zu beobachten. Ich habe es getan und habe gefunden, daß in sehr vielen Familien auch von Mitgliedern des Central-Vereins den Kindern am Weihnachten ein Weihnachtsbaum angezündet wird, um ihnen das Vergnügen zu machen. Die Leute tun es arglos, aber es muß darauf aufmerksam gemacht werden: Sie können in den Jugendvereineu mit Engelszungen reden — wenn der junge Mann nach Hause kommt und findet zu Hause einen Weihnachtsbaum angezündet, dann ist die ganze Arbeit unnütz. Das jüdische Haus hat vieles verfehlt. Die älteren heutigen Juden steheu noch mit beiden Beinen in den 48 er Jahren, die haben noch die demokratische Ideale mitgebracht und glauben an eine allgemeine Menschenverbrüderung. Das ist anders geworden Inzwischen hat die jüdische Jugend sich selbst geholfen in den Jugendvereinen, aber was fehlt, ist die Unterstützung