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Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 191

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
Date
1909-03-01
Page
191 (sequence 63)
Language
German
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Delegierten-Versammlung (Organifatioii der jüb. Jugend). 191 habe, der heute mindestens 350—400 Mitglieder zählt. Bei den Ausführungen des Herrn Dr. Jakob fiel mir das Schillersche Wort ein: „In den Ozean schifft mit Lausend Masten der Jüngling, still auf gerettetem Boot treibt in den Hafen der Greis." Solche Ideen, wie sie Herr Dr. Jakob hier vorgebracht hat, habe ich auch gehabt, aber sie lassen sich nicht verwirklichen. Man muß mit großer Vorsicht zu Werke gehen. Herr Dr. Jakob meinte, es gibt keine Standesvorurteile in der Jugend. Gerade in der Jugend gibt es solche, zumal in den kaufmännischen Kreisen, wie uns die Erfahrung gelehrt hat. Da ist der Bankbeamte — er nennt sich ja Beamter, er ist nicht mehr Kommis —, der überhaupt dem Verein fern bleibt. Der junge Mann im Engrosgeschäft sieht mit einer gewissen Ueberlegenheit auf den im Detailgeschäft usw. Dadurch wird die Besetzung des Vorstandes eine außerordentlich schwierige. Ich werde mir erlauben, meine Erfahrungen demnächst in der Zeitschrift niederzülegen. Ich kann Ihnen nur empfehlen, bei Gründung eines solchen Vereins nicht einen älteren Herrn zum Vorsitzenden zu wählen, gleichviel, ob es ein Kaufmann, Rabbiner oder was sonst ist, sondern das der Jugend zu überlassen und in geschickter Weise es zu verstehen, anderweitig Einfluß zu erlangen. Wenn Sie das verstehen, können Sie den Verein, fördern. Aber stellen Sie sich nicht selbst an die Spitze. Die Jugend ist kolossal mißtrauisch und will nicht am Gängelbande geführt werden. (Bravo!) Herr Dr. med. Feld m a n n - Stuttgart: Stuttgart verfügt seit 13 Jahren über einen Jünglingsverein. Das ist meines Wissens der älteste israelitische Jünglingsverein in Deutschland. In diesem Verein hat man alles probiert, was Herr Dr. Jakob vorgeschlagen hat. Dieser Verein hatte lange Jahre einen der tüchtigsten Vorsitzenden, den es in Deutschland gibt, den Kirchenrat Kroner. Wer den Mann kennt, weiß, daß er hervorragend dafür geeignet ist. Nach Kroner kam ein Kollege von mir, ein Arzt, der sich unendliche Mühe gegeben hat. Und doch sind wir zu dem Resultat gekommen: An die Spitze eines solchen Vereins gehört kein Rabbiner, kein Arzt, kein Rechtsanwalt, sondern unter allen Umständen ein junger Kaufmann aus der Mitte der jungen Leute heraus, sonst wird aus der Sache nichts. Augenblicklich haben Nur den Abteilungs-

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