Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 187 (sequence 59)
- Language
- German
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Delegierten-Versammluug (Organisation bcr jitb. Jr.genb). Ib7 G r ü n d un g s b estrebun g en, die heute morgen für diesen Verband geschwebt haben, haben dafür Sorge getroffen. Was wir tun können, ist, durch eine Personalunion auf diesen Verein zu wirken, indem wir die tüchtigsten Mitglieder an die Spitze delegieren. Wir müssen dafür forgen, daß die .jungen Leute mit dem Geiste des Ceutral-Vereins durchtränkt werden, daß der junge Mann, wenn er ein gewisses Gehalt und Alter erreicht hat, es als eine Ehrenpflicht betrachtet, dem Central- Berein anzugehören. (Lebhafter Beifall.) * Vorsitzender: Ich danke dem Herrn Referenten und erteile Herrn Referendar Regensburger das Wort. Korreferent Referendar R e g e n s b u r ger - Braun- - schweig: Im großen und ganzen kann ich mich dem voll anschließen, was Herr Dr. Apfel gesagt Ijat. Nur einige Einzelheiten. Herr Dr. Jakob hat richtig hervorgehoben, es sei erfreulich, daß der Central-Verein diese Frage der Jugendorganisation auf seine Tagesordnung gesetzt hat. Er hat gesagt, diese sei im eigentlichen Sinne eine akute Frage. Und das mit vollem Recht. Das Bild, welches uns der junge Israelit unserer Tage bietet, ist oft tief beschämend. Nicht nur der Jndifferentismus ist leider die herrschende Macht geworden, sondern was viel schlimmer ist, was einem die Schamröte ins Gesicht treiben muß: Selbst der jüdische Antisemitismus tritt wie ein widerwärtiges Gespenst in den Reihen unserer Jugend auf. Vergegenwärtigen Sie sich bitte aber nur einmal die Folgen. Schon die jetzige Generation unserer Väter und Mütter trügt nicht mehr jenen unverwüstlichen jüdischen Geist in sich, wie er unseren Borfahren eigen war uub sie durch die Qualen eines jahrtausendlangen Martyriums aufrecht hindurchschreiten ließ. Auch hier finden wir Jndifferentismus und Verachtung der eigenen Glaubensgenossen. Aber diese Generation hat doch wenigstens in ihrer Jugend noch das echte, unverfälschte, jüdische Haus mit all feiner Poesie, seiner unendlichen Liebe und Güte, feinem sittlich-stärkenden Einfluß genossen. Der Keim dieser Erziehung ist nicht ganz ausrottbar. Ich möchte sagen, wie die letzten Töne eines ausschwingenden Akkordes klingt selbst in der Erinnerung derjenigen, die sonst gar nichts mehr vom Judentums halten, doch die Erinnerung an der Kindheit goldene Tage nach. Ganz anders bei uns. Wir haben zum