Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 186 (sequence 58)
- Language
- German
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186 Im deutschere Reich. daß man von vornherein in die Statuten schreibt: die Besprechung politischer und religiöser Fragen ist ausgeschlossen. Es fehlt dann der interessante Gesprächsstoff. Was schadet es, wenn die jungen Leute über Zionismus, über den Gegensatz zwischen Liberalen und Orthodoxen debattieren. In Eölu unterhält man sich ganzoffen und ehrlich über alle diese Gegensätze. Wir bieten den jungen Leuten durch die hervorragendsten Vertreter sämtlicher Richtungen Belehrung und Anregung, uub jeder mag sich heranssnchen, was er für richtig findet. Alan hält die jungen Leute doch nicht von diesen Fragen ab, und es ist besser, daß sie durch berufene Vertreter an die Fragen herankommen, als in Volksversammlungen. Dann empfehle ich Ihnen, sich nicht zuerst Ttu die Söhne der reichen Kauflente zu wenden — die müssen auch sehen, wie sie fertig werden —, sondern an die sozial schlechter Stehenden. Gehen Sie in die Spielsäle der Kaffeehäuser und ähnliche üble Orte, holen Sie sich dort die jungen Leute und schaffen Sie ihnen geeignete' Klublokale — nur haben in verschiedenen Städten ein eigenes Heim — und zeigen Sie ihnen unsere übrigens so dringend reformbedürftige jüdische Geselligkeit. Run zum Schluß noch zwei Bemerkungen. Es ist selbstverständlich, daß wir diese Vereine mit den schönsten Grundsätzen des Patriotismus durchdrungen müssen. Wir müssen die jungen Leute mit unserem heiligsten Eifer auf ihre Staatsbürgerpflichteu und ebenso ihre Pflichten der jüdischen Religionsgemeinschaft gegenüber aufmerksam machen, sie daran gewöhnen, nicht alles durch eine jüdische Brille zu betrachten. Mir ist nichts unsympathischer als ein Mann, der, dem Grundgedanken der jüdischen Religion widersprechend, jüdischer Fanatiker wird. Zweitens: Der Verband jüdischer Jugendvereine ist sozusagen eine perfekte Tatsache. Es war mir zusammen mit dem Frankfurter Montefiore-Berein fast gelungen, vor zwei Jahren einen Verband zu gründen, aber es hatten sich mannigfache Schwierigkeiten ergeben. Wir haben eingesehen daß die Frage nur zu regulieren ist, wenn ein paar große Korporationen sich zusammenschließen, die jungen Leute kommen-lassen, ihnen Geld geben, materiellen und ideellen Gehalt: Nun schließt euch zusammen. Ein solcher "Verband braucht ein Organ, und die