Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 185 (sequence 57)
- Language
- German
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Dclegierten-VeUammlüng (Droanijatioii der jüd. Jugend). 185 erreichen, wenn man prinzipiell mit der üblichen Vereinsschablone bricht. Ich halte es für ein Unding, wenn man, z. B. um die Weihnachtszeit, wo die jungen Leute abends spät aus dem Geschäft kommen, sie mit Vorträgen langweilt. Diese Vereine können nur dazu da sein, eine allerdings tiefgehende Anregung zu geben. Der junge Mann, der von der Diskussion angeregt ist, wird schon Mittel und Wege finden, sich zu vertiefen. Solche Vereine, in denen Vortragszyklen gehalten werden, entsprechen nicht dem, was die jungen Leute wollen. Die wollen eine frisch pulsierende Vereinstätigkeit haben, wo sie mit allen Fragen des täglichen Lebens in Berührung gebracht werden, nicht in Form von Vorträgen, sondern in der leichteren Form von Diskussionsabenden, wo jeder einzelne mitdiskutieren kann. — Dann wird ein großer Fehler meist gemacht — und daran ist ein Jugendverein in meiner Vaterstadt Köln zugrunde gegangen — daß sehr oft diese Gründungen aus einer gewissen gnädigen Herablassung vorgenommen werden. Die Herren Chefs gründen einen Verein für die jungen Leute, die sanft gezwungen werden, hinzukommen. Nichts ist gefährlicher, als derartig mit den jungen Leuten umzuspringen: sie kommen zwei-, dreimal, danken bestens für die gnädige Herablassung und gehen anderswohin. Ein solcher Verein muß so aufgebaut sein, daß das jüngste Mitglied an ihm interessiert ist. Man muß den ganzen Verein, wie es in Cöln geschehen ist, in Klubs einteilen; jeder junge Mann muß mit seiner ganzen Existenz an diesen Verein geknüpft sein. Sehr richtig hat Herr vr. Jakob hervorgehoben, daß diese Vereine zum großen Teil von ihrer Leitung abhängen, aber ich warne Sie: stellen Sie nicht an die Spitze die Herren Rabbiner und sonstige angesehene Mitglieder unserer Gemeinden. Wir in Cöln verdanken der Mitwirkung einiger Herren Rabbiner viel, wir würden es aber für einen Fehler halten, wenn sie den Verein leiteten, denn die jungen Leute haben dann das Gefühl, daß sie in einer fortgesetzten Schule sind und unter Umständen eine sonst anderswo versäumte Predigt hören müssen. (Heiterkeit.) Die jungen Leute müssen - sich selbst leiten und sich selbst geeignete Leute, die auch vielleicht einmal Dummheiten machen, an die Spitze stellen. — Dann gehen solche Jugendvereine zugrunde, au dem großen Fehler,