Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 184

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
Date
1909-03-01
Page
184 (sequence 56)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316779-2316783-2341358--18865-2341437
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

I S4 Im deutschen Reich mit den von ihm als vernünftig erkannten Prinzipien einen Einfluß auf diese große Masse jüdischer junger Leute? Und da wollen wir uns nicht verhehlen, daß jede jüdische Jugendbewegung und überhaupt jede Jugendbewegung ein außerordentlich zweischneidiges Schwert sein kann. Zunächst hat uns die Erfahrung gelehrt, daß, wenn einmal die jungen Leute sich mit diesen jüdischen Fragen befassen, wenn diese Sache an ihr Herz herangewachsen ist, sie leicht in einen Taunrel der Begeisterung hineinkommen und in der Regel extremen Parteien in die Hände fallen. Ferner ist ein beachtenswerter Einwand gegen die Jugendvereine, daß sie von. vornherein leicht dazu dienen können, die konfessionelle Absonderung stärker zu betonen. Man muß in den Jugendvereinen den junger: Leuten klarmachen, daß es auch andere Aufgaben gibt als die speziell jüdischen, ihnen Mittel zur Verfügung stellen, damit sie auch den großen interkonfessionellen, kaufmännischen Organisationen angehören. Die spezifisch jüdischer: Aufgaben sollen nachdrücklich betont Werder:, aber immer müssen die jungen Leute auch an ihre Staatsbürgerpflichten erinnert werden. Ich betone, daß ich mich hier auf die kaufmännische Jugend beschränke. Die akademische Jugend hat sich — m. E. nicht immer irr richtiger Weise — geholfen; diese rnöge mit sich alleirr fertig werden. Ist es ituit notwendig, daß der Central-Berein diesen Jugendvereinerr r'iberhaupt besondere Sympathie durch materielle oder geistige Unterstützung entgegenbringt? Vergegenwärtigen Sie sich die eine Tatsache, daß in den großen kaufmännischen Zentren, besonders in Berlin, Tausende von jungen jüdischen Leuten herumlaufen, ohne Zusammenhang mit der jüdischer: Religionsgemeinschaft, verfallen in einen selbsterniedrigenden, selbstwitzelnden Ton, weil sie nichts Besseres sehen und hören. Was diesen jungen Leuten nottut, kann man ihnen nicht irr Fortbildungskursen klarmachen, dazu sind andere Jnstitutionerr rrötig, die ich mir anders denke, als der Herr Referent ausgeführt hat. Ich sehe keirr anderes Mittel, dieser Frage beizukommen, als die Pflege der Jugendvereine. Natürlich ist nichts leichter, als die Gründung eines solchen Vereines, aber ihn in ersprießlicher Weise für die Jugend und für die Zukunft des Judentums durchzuführen, ist außerordentlich schwierig. Das kann man nur

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.