Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 180 (sequence 52)
- Language
- German
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130 Im deutschen Reich. Erwägung habe ich z. B. im letzten Winter in unserem Verein — oder bin noch dabei — wöchentlich vorgetragen über: Preußische und deutsche Geschichte der letzten hundert I a h r e mit b e s o n d e r e r B e r ü ä s i ch t i - g u n g der jüdischen Verhältnisse, — damit bie Jugend versieht, wie diese Gegenwart, in der sie lebt, entstanden ist, damit sie in ihrem Vaterlande wurzelt. Für die folgenden Jahre sind etwa folgende Zyklen vorgesehen: Geschichte und System der preußischen Verfassung. — Dgl. der Reichsverfassung. — Geschichte und Programm unserer politischen Parteien. — Die soziale Gesetzgebung im Deutsche;: Reich. — Die internationalen Veranstaltungen und Bestrebungen der Gegenwart. — Ethische Grundprobleme. — Moderne Zeit- und Streitfragen. — Jüdische Geschichte. — Geschichte des Antisemitismus. — Jüdische Berteidigungslehre. Daneben wurden in unserem Verein auch noch Vorträge aus allen Gebieten des Wissens gehalten, z. B. während der letzten Monate: Staat und Kirche. — Die Versorgung Deutschlands mit Brotgetreide. — Die Makkabäer (am Chanukafest). — Die geplante Strafrechtsreform. — Der Graf von Charolais. — Die Wunder der Tiefsee. — Banken und Börsen — und ähnliche Vorträge sind uns noch in großer Zahl in Aussicht gestellt. Die Diskussion bietet ebenfalls Gelegenheit, die mannigfachsten Fragen zu besprechen. Vorbeugen möchte ich aber der bisweilen gehörten Ansicht, als wäre der Hauptzweck unserer wissenschaftlichen Abende, die jungen Männer zu öffentlichen Rednern zu erziehen. Denn mir scheint ebenso wichtig, als daß sie reden lernen, auch, daß sie erzogen werden, schweigen zu lernen (Bravo!), vor allem aber, daß sie urteilen lernen, indem sie Kenntnisse erwerben. Die wichtigste Frage ist ohne Zweifel die L e i t u n g, nicht die Leitung der Geschäfte, diese können die jungen Leute sich selbst am besten besorgen, sondern die geistige Führung. Es ist eine Lebensfrage für den Verein, daß die rechten Persönlichkeiten an der Spitze stehen, Persönlichkeiten von geistiger Ueberlegenheit, von mannigfachen Bildungsinteressen, die Herz und Sinn für die Jugend haben und mit ihr mnzugehen verstehen, und die zu nicht geringen Opfern an Zeit und Mühe bereit sind. Aber reich ist auch der Lohn an Dank und Erfolgen. Hier eröffnet sich ein großes