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Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 177

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
Date
1909-03-01
Page
177 (sequence 49)
Language
German
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D e le g ie r l eu -V e r s n m u rl u ir g (Organisation der jüd. Jugend). 177 und die Behandlung dieser gleichfalls hochwichtigen Frage wird gesonderter Erörterung Vorbehalten bleiben müssen. Vielleicht wird man ferner eine zu geringe Betonung des I ü d i s ch e n bemängeln und bei diesem Referenten vielleicht besonders befremdlich sinden. Niemandem kann die Pflege des Judentums, jüdischen Sinnes und jüdischen Wissens mehr am Herzen liegen als mir. Aber wir dürfen doch auch niemals vergessen, daß das Judentum ans dem ganzen Reichtum des Lebens, aus der Fülle menschlicher Interessen nur Eine Seite, nur ein kleiner Ausschnitt ist, und daß es nicht wohlgetan ist, die ganze Welt gewissermaßen nur aus dem jüdischen Guckloch zu betrachten. Dazu kommt, daß das Judentum, wenigstens nach meiner Auffassung, im positiven Sinne wesentlich Religion ist, und wenn auch die Religion das Ferment sein soll, das den Menschen durchdringt, so kann es doch nicht den alleinigen Inhalt seines Denkens ausmachen und sein ausschließendes Interesse bilden. Die Religion soll das Zentrum, aber sie kann nicht der Kreis sein. Rein negative Interessen aber uue die Abwehr, wie der Kampf um das Recht, so hoch sie stehen, können den Menschen nicht gänzlich ausfüllen. Ich halte die ausschließliche Pflege lediglich jüdischer Interessen, die einseitig jüdische Dressur nahezu für eine Gefahr (Sehr richtig!) gegenüber der allseitigen harmonischen Ausbildung der Heranwachsenden Jugend. (Bravo!) Mag uns das spätere Leben tu den engen Bannkreis einer bestimmten Tätigkeit und eines ■ beschränkten Interesses ziehen, die Jugend soll die Herzen und die Sinne weit geöffnet halten allein, was wahr und schön, was bildend und wissenswürdig ist, was erhebt und erwärmt. (Bravo!) Das ist der Segen einer von idealen Gesichtspunkten getragenen Forschung, Bildung und Lebensauffassung, daß sie den Menschen auf einer reinen Höhe erhält und ihm die praktischen Erfolge dennoch in den Schoß fallen, während der reine Nützlichkeitsstandpunkt ihn ut den Staub zieht und den praktischen Nutzen trotzdem verkümmert. Erziehen wir unsere Jünglinge zu kraftvollen Persönlichkeiten mit tiefgegründeter Bildung, mit vielseitigen lebendigen Interessen, und sie werden von selber edle Patrioten und treue Juden sein. (Lebhaftes Bravo.) Denn nur der Egoist und der Streber wird uns untreu werden, nie der Charakter. (Bravo!)

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