Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 176 (sequence 48)
- Language
- German
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176 Im deutschen Reich. schaffen, sie entbehren des planvollen Programms, insbesondere der zielbewußten, überlegenen Leitung, sie halten oft einfach nur das Niveau fest, auf dem sich ihre Mitglieder einmal befinden, sie haben zu wenig den künftigen Mann, vor allem das künftige Mitglied der größeren sozialen Gemeinschaft, den künftigen Staatsbürger, den Angehörigen der organisierten Judenheit im Auge, sie befriedigen nicht das Bedürfnis nach sozialer und politischer Bildung. Aus alledem ergibt sich für uns die gebieterische Pflicht, die schulentwachsene Jugend zu sammeln und Stätten zu schaffen, in denen sie zu Männern im edelsten Sinne des Wortes erzogen werden, und da die natürliche Form dafür der Verein ist, die Notwendigkeit der Gründung von jüdischen I u g e n d v e r e i n e n für junge Leute im Alter von etwa 18 bis 30 Jahren, denen jüngere als Hospitanten angeschlossen werden können. Als den Zweck dieser Vereine möchte ich bezeichnen: die Erziehung unserer männlichen Jugend zu charaktervollen Persönlichkeiten, zu politisch gründlich durchgebildeten, für ihr Vaterland begeisterten und in ihm wurzelnden deutschen Staatsbürgern (Bravo!), zu überzeugten treuen Juden und Gliedern der jüdischen Gemeinschaft. Wir wollen ein idealgesinntes Geschlecht heranziehen, welches die Gegenwart versteht, tüchtig und berufen ist, an der Gestaltung der Zukunft mitzuarbeiten und freudig bereit, für sie zu kämpfen. (Bravo!) Ich habe bisher nur von der männlichen Jugend gesprochen. Ich verkenne keineswegs die ebenso dringende,.. in gewisser Hinsicht noch dringendere Notwendigkeit der Fürsorge für die weibliche Jugend, eine Notwendigkeit, die sich wohl kaum irgendwo lebendiger aufdrängt als in meiner jetzigen Heimat, einem Brennpunkte des gewerblichen und industriellen Lebens, wo tausende junger schütz- und erziehungsbedürftiger Mädchen tätig und leider auch oft arg gefährdet sind. Aber wie trotz aller Fortschritte in der sozialen und politischen Gleichstellung des weiblichen Geschlechts noch immer der Mann der Träger des öffentlichen Lebens ist, so werden auch die zukünftigen Aufgaben des Weibes, der künftigen Gattin und Mutter, immer grundverschieden von denen des Mannes sein. Daher wird auch die Erziehung der Heranwachsenden weiblichen ^ngend notgedrungen eine andere sein.