Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 175

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
Date
1909-03-01
Page
175 (sequence 47)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316779-2316783-2341358--18856-2341428
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Delegierten-Bersammlung (Organisation der jüd. Jugend). 175 gegeben. Um von anderen verderblichen Folgen zu schweigen — eine der betrüb endsten ist nur zu oft die Entfremdung des jungen Mannes von der jüdischen Gemeinschaft und ihren Interessen. Denn die Welt, die den Juden umgibt, ist, wenn nicht geradezu antijüdisch, doch mindestens unjüdisch; außer den spärlichen, in der Regel aber ganz entsallenden Einwirkungen der Synagoge, der jüdischen Presse, des jüdischen Vereins- und Gemeindelebens ist fast alles Zeitgenössische, was auf den jungen Mann einwirkt, dazu angetan, die Jugend an ihrem Judentum irre zu machen. (Sehr richtig!) Niemand wird eine leichtere Beute jeder neuen Zeitströmüng, jeder neuen Modeansicht, jedes neuen Schlagwortes. Daher die vielen, allzuvielen, die ohne inneren Halt, ohne festen Standort ihr Leben lang wie ein Rohr im Würde schwanken, über alles Bescheid zu wissen meinen oder scheinen, und doch nichts verstehen, jene Halbgebildeten ohne tieferen Kern und selbständiges gediegenes Urteil. (Sehr wahr!) Es^ wäre allerdings rrngerecht, wenn man die Ansätze übersehen wollte, die auch unter uns bereits gemacht worden sind. Kein Alter ist geselliger als die Jugend, es ist das Alter der Freundschaft, die Gleichgesinnte und Gleichstrebende von selber zusammenführt. So sind denn auch bereits aus der Jugend selbst Vereinsbestrebungen erwachsen, die sich mit unseren Vorschlägen vielfach berühren. Insbesondere ist hierbei die akademische Jugend zu neunen. Vor mehr als zwei Jahrzehnten entstand in Breslau die erste akademische Verbindung, die mitten in der antisemitischen Hochflut die Fahne des jüdischen Selbstbewußtseins aufpflanzte und sich die Erziehung des jüdischen deutschen Studenten zu allen nationalen und männlichen Tugenden vorsetzte. Bald wurde das Beispiel befolgt, und jetzt sind durch die vortreffliche Schule dieser, in dem sogenannten K. C. vereinigten Verbindungen nahe an 1000 jüdische Akademiker hindurchgegangen. Andere studentische Bereinigungen wirken in ähnlichem Sinne, und nicht gering ist die Zahl der Vereine unter der kaufmännischen Jugend, welche sich für gesellige oder literarische Bestrebungen gebildet haben. Aber die meisten dieser Bereinigungen leiden an einer Beschränkung, die sie sich entweder mit Bezug auf die Mitgliedschaft oder ihren Zweck auferlegen, sie sind , nur für einen bestimmten Kreis oder bestimmte einseitige Bestrebungen., ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.