Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 174 (sequence 46)
- Language
- German
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17-1 Jrn deutschen Reich. lonßt, für den religiösen Unterricht ihrer Schuljugend zu jedem Opfer bereit und in wissenschaftlich unb pädagogisch gebildeten, für ihren Beruf begeisterten Männern die rechten Hüter und Hirten zu bestellen bemüht ist, wenn auch die eigentliche Arbeit immer dem H a n s e Vorbehalten bleiben wird. Nicht minder Anerkennenswertes ist unter dem Druck der Zeit und in Erkenntnis dessen, was uns bedrängt und was uns nottut, in den letzten Jahrzehnten für die E r w a ch s e n e n geleistet worden. Nachdem bis dahin die gesetzlich vorgesehenen Synagogengemeinden, wenigstens in Altprenßen, fast die einzige Vereinigung von Juden darstellten, haben sich eine Unzahl von Vereinen zur Verfolgung charitativer, sozialer, religiöser, ethischer, Wissenschaftlicher und politischer Zwecke gebildet und teilweise zu umfassenden Organisationen zusammengeschlossen, so daß es kaum noch einen erwachsenen Juden gibt,- der nicht einer oder mehreren von ihnen angehört und so zum Anschluß an das große Ganze erzogen und hinwiederum von ihm getragen wird. Um so beklagenswerter ist es, daß dasdazwischen liegende Alter von uns fast ganz vernachlässigt worden ist, das Alter, in welchem der junge Mensch, der Schule und dem schützenden Elternhause entwachsen, hinaustritt in das bewegte Leben, und äußeren Lockungen und inneren Kämpfen überantwortet ist, seinen tausendfältigen Einflüssen, ohne sichere Führung, oft ohne bleibende Heimat, ohne eigenen Herd, in der Fremde und unter Fremden umhergeworfen. Während die Gesetzgebung aus die berufliche Ausbildung dieser Jugend immer sorgfältiger bedacht ist und mannigfache Veranstaltungen dafür trifft, ist die Fürsorge für die allgemeine, die sittliche und die politische Bildung unter uns weit zurückgeblieben. Darin können wir uns besonders an der Arbeit der beiden Antipoden, der katholischen Kirche und der Sozialdemokratie (Sehr richtig!) ein Beispiel nehmen, welche den jungen Menschen, kaum daß sich die Tore der Schule hinter ihm geschlossen haben, in ihre Arme nehmen und nicht eher wieder entlassen, bis sie ihn als ausgebildeten Rekruten in ihre Reihen einstellen können. (Sehr richtig!) Unsere jüdische Jugend aber ist fast gänzlich den zufälligsten Einflüssen, der wahllosen Lektüre, der irreführenden Selbstberatung, einem oft unglücklich gewählten Verkehr preis-