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Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 173

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
Date
1909-03-01
Page
173 (sequence 45)
Language
German
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Delegierten-Versammlung (Organisation der jüd. Jugend). 173 Judentums überhaupt von größter Bedeutung ist. (Sehr richtig!) Für jede Gemeinschaft ist es eine Lebensfrage, ob die Heranwachsende Jugend in den Idealen erzogen wird, für die sie lebt und kämpft, ob das gegenwärtige Geschlecht, wenn es einst vorn Schauplatz wird abtreten müssen, seine Güter und Heiligtümer getrost in die Hand des kommenden legen darf. In der Regel wird bei solchen Erwägungen an die Schule gedacht. Wer die Schute hat, sagt man, hat die Zukunft; daher jene heftigen Kämpfe um die Vorherrschaft in der Schule, Kämpfe der Parteien, Konfessionen und Lehren. Dennoch hat der Satz nur bedingte Gültigkeit; denn die Schule verläßt man in einem unreifen Alter, in dem für die Prägung des Charakters sich nur erst die Ansätze gebildet haben, ebenso wie das in der Schule erworbene Wissen und Können nur erst ein unzureichender Anfang ist. Die entscheidende Lebensepoche ist vielmehr die Zeit zwischen der Entlassung aus der Schule und der Gründung einer selbständigen Existenz oder eines eigenen Hausstandes, gewissermaßen die Zeit zwischen Konfirf i r m a t i o n und Hochzeit, zwischen dem 1 3. und 30. Jahre. Diese zweiten anderthalb Jahrzehnte sind die Sturm- und Drangperiode des jungen Menschen, in der sein Leben die entscheidende Wendung zum Guten wie zum Bösen nimmt, die berufliche Ausbildung sich vollzieht, die allgemeine Bildung einen gewissen Abschluß erreicht, aus allerlei Gärung sich eine feste Lebensansicht bildet, bestimmte politische, moralische, religiöse Ueberzeugungen sich dauernd gestalten und der Charakter seine bleibenden Züge ausprägt. Es ist die Zeit der größten Empfänglichkeit, der Begeisterung, der Kraft, des überschäumenden Lebensmutes, aber auch des Taumels, eine Zeit, in der die Schätze gesammelt werden, von denen wir fortan zehren, die aber nicht genützt zu haben sich lebenslänglich rächt. Wer diese .Jugend hat, der hat in Wahrheit die Zukunft. : Es ist noch nicht lange her, daß mit Recht über eine unverantwortliche Vernachlässigung der religiösen und damit der sittlichen Erziehung eines großen Teiles unserer jüdischen Schuljugend geklagt werden konnte. Diese Zeit ist gottlob vorüber. Es gibt wohl kaum noch eine nennenswerte Gemeinde, die sich nicht dieser elementaren Pflicht vollkommen be-

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