Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 15 (1909)
- Issue
- Heft 3-4 (März 1909)
- Article
- Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
- Date
- 1909-03-01
- Page
- 165 (sequence 37)
- Language
- German
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Delegierten-Versarnmlung (Propaganda unter den Frauen). halten. (Sehr wahr!) Auch hier können wir mit Takt und Ueberredung bessernd wirken. Ein kleines Beispiel aus eigenster Erfahrung: In meiner Eigenschaft als Vorsitzende des Frauen-Bereins der Berliner Bnei-Brith-Logen suchte ich in einer Gesellschaft eine mir als sehr wohltätig geschilderte Dame, die auch verschiedenen hiesigen Wohlfahrtsinstituten vorsteht, als Mitglied für unfern Verein „Pflege armer jüdischer Wöchnerinnen" zu gewinnen. Als sie erfahren, daß wir nur bedürftigen jüdischen Wöchnerinnen unsere Hilfe angedeihen lassen, bedauerte sie, dem Verein nicht beitreten zu können, da sie prinzipiell sich nur an interkonfessionelle Vereinigungen anschließe. (Hört! Hört!) Auf meine Frage, ob sie noch Jüdin sei, wurde mir bejahend geantwortet, und ich hielt darauf nicht zurück, ihr meinen Standpunkt unverblümt klarzumachen. (Bravo!) Der Erfolg war der, daß sie am nächsten Tage mich in einem längeren Schreiben um Aufnahme in unseren Verein mit einem ziemlich beträchtlichen Jahresbeitrag bat. (Bravo!) Die Dame ist nicht nur ein zahlendes, sondern auch ein sehr tätiges Mitglied bei uns geworden. Wir wollen mit ehrlichen Waffen kämpfen gegen die Frauen und Mütter, die durch ihr Handeln und Tun fahnenflüchtig zu werden beginnen. Sie durch unser Beispiel auf den rechten Weg, den der Treue zu unserer Glaubensgemeinschaft zurückzuführen und dadurch uns die junge Generation zu erhalten, das soll die Hilfe sein, die wir den Männern leisten wollen. (Bravo!) Der Hinweis, nicht in antisemitischen Geschäften seinen Bedarf zu decken, kann nicht oft genug wiederholt werden. (Sehr richtig!) Wir müssen es unter unserer Würde halten, dort unsere Einkäufe zu machen, wo wir wissen, daß der Inhaber Antisemit ist, weder jüdisches Personal hält, noch ein Stück seiner Waren von einem jüdischen Fabrikanten bezieht. Wenn unsere jüdischen Frauen ihren Bedarf aus solchen Geschäftshäusern entnehmen, so müssen wir dagegen energisch Front machen. Ebenso selbstverständlich ist es auch, daß wir nicht an Kurplätzen solche Häuser als Wohnungen wählen, von denen uns bekannt ist, daß ihre Besitzer Antisemiten sind. Dasselbe gilt auch von den als antisemitisch bekannten Kurorten oder Sanatorien. Die Hauptfaktoren für die Betätigung der Frauen des