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Im deutschen Reich · 1909-03-01 · Heft 3-4 (März 1909) · p. 164

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
15 (1909)
Issue
Heft 3-4 (März 1909)
Article
Stenographischer Bericht über die zweite Delegierten-Versammlung des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens (21. Februar 1909)
Date
1909-03-01
Page
164 (sequence 36)
Language
German
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164 Im deutschen Reich. In unseren Kindern liegt die Zukunft unserer Glaubensgemeinschaft! Hier den Hebel anzusetzen für unsere Arbeit soll und muß unsere Hauptaufgabe sein. Wir Frauen haben auf unsere nächste Umgebung den weitestgehenden Einfluß, diesen im besten Sinne auszunützen, sollten wir stets bestrebt bleiben. Wenn wir unser Arbeitsfeld mit der Erziehung der Jugend beginnen, so müssen wir im Anschluß daran die Wurzel des Uebels zu finden suchen, die den zunehmenden Abfall vom Judentum erklärt. Nicht außerhalb sind die Ursachen des Abfalles, sondern innerhalb des Judentums zu suchen (Sehrrichtig!), und wieder müssen wir auf die leider zu modern gewordene jüdische Familie zurückgreifen. Die Kinder wachsen ohne Interesse und ohne Liebe für ihr Judentum auf, es fehlen ihnen die feineren Fühlfäden, die sie mit ihrer Glaubensgenossenschaft fest und innig verknüpfen sollen. Man kann von einem jüdischen Kinde kaum erwarten, daß es sich an etwas festhälten soll, was im Elternhause nicht gepflegt und gehegt worden. Die Eltern sollen auf ihre Pflicht hingewiesen werden, ihre Kinder zu lehren, daß es nichts Verabscheuungswürdigeres gibt als die Taufe aus eigensüchtigen Gründen. (Bravo!) Ist einmal in dem Bewußtsein unserer Kinder der Abfall als verwerflich und unsittlich gekennzeichnet, dann haben wir schon viel geleistet und gewonnen. Auch hier vermag 'wieder die Frau und Mutter ihren Einfluß geltend zu machen. Tragen wir es in die weitesten Kreise hinaus., daß wir den Stolz haben wollen, den Eltern, die ihre Kinder zur Taufe vorbereiten oder sich selber taufen lassen, den Rücken zukehren itttb ihnen Freundschaft und Verkehr zu kündigen. (Bravo!) Unsere Selbstachtung muß uns jeglichen Verkehr mit Renegaten verbieten. Wir können manches erreichen, wenn wir unseren Mitschwestern, die nach dem Verkehr mit Andersgläubigen höherer Kreise sich drängen, nachdrücklichst vor Augen führen, wieviel sie sich an ihrer eigenen Würde-vergeben, wenn sie sich dort aufdrängen, wo sie nur geduldet und als Eindringlinge bewertet werden. (Sehr richtig!) Ein trauriges Merkmal der Zeit ist es, daß oft bei nichtjüdischen Wohlfahrtsveranstaltungen jüdische Frauen im Mittelpunkt der Arrangements stehen, während sie sich bei ähnlichen Festen si'ir ihre bedürftigen Glaubensgenossen fern-

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